Eigentlich will ich nur noch selber Interviews führen, statt welche zu geben.

„Ich bin über dein Interview mit HORADS gestolpert und so spannend die Fragen und das Gespräch auch sind — fiel es dir da eigentlich schwer, dieses Gespräch zu führen? Ich habe das Gefühl, der Moderator schwingt sich geradezu von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen und während ich immer wieder ein bisschen erschrocken aufzucke, reagierst du völlig ruhig und antwortest sehr überlegt!“

Diese Nachricht schickte mir einer meiner Follower, nachdem ich am 14. März 2018 um 20 Uhr live mit Dana im Radio gesprochen habe. Die Sendung wird heute am 25. März 2018 um 19 Uhr bei Horads auf UKW 88,6 Mhz in der Region Stuttgart wiederholt und kann auch auf Soundcloud nachgehört werden. Talk mit Dana findet jeden Mittwoch um 20 Uhr statt.

Ob mir das Gespräch schwer gefallen ist? Eine gute Frage! Es fällt mir immer schwer, über mich oder mein Leben zu schreiben oder zu sprechen, weil ich nicht weiß, wer das liest oder hört und wie es bei der Person ankommt. Das ist auch die einzige Erklärung und der ausschlaggebende Grund, warum auf diesem Blog nicht so viel passiert. Trotzdem überwinde ich mich immer wieder und stelle mich auch den manchmal unangenehmen Fragen von Journalisten, weil ich weiß und immer wieder merke, dass es wichtig und notwendig ist. Für die meisten Menschen, die mich kennen bin ich eine ganz normale Person und dafür bin ich auch sehr dankbar. Aber für die meisten Menschen da draußen ist eine Muslimin ein Alien. Was hat sie in einer Hochschule zu suchen? Was hat sie in unseren Medien zu suchen? Dann auch noch mit einer eigenen Stimme! Dann auch noch mit Kopftuch!

„Es gibt so wenige muslimische Journalisten in Deutschland. Und wenn über Muslime gesprochen wird, denke ich oft: Das muss man doch besser machen können. Und irgendjemand muss das dann eben auch in die Hand nehmen.“  —  Zitat aus der Sendung

Eben deshalb rede ich. Und deshalb habe ich mich dafür entschieden, Journalistin zu werden.

Letztes Jahr habe ich Dana über ihre Verwandlung interviewt. Jetzt interviewt sie mich.

Der Islam ist kein Handicap in meinem Leben und ich finde, man sollte ein Teil der Gesellschaft werden können, ohne sich selbst aufzugeben. Dass ich kein ganz normaler Teil der Gesellschaft bin, habe ich schon früh als Kind bemerkt. Ich bin in Konstanz aufgewachsen, an der Grenze zur Schweiz. Wenn meine Familie über die Grenze wollte, um einzukaufen und zu tanken oder auch einfach nur um Freunde zu besuchen oder einen Ausflug zu machen, dann war das trotz deutschen Pässen eine Hürde:

„Damals kam es mir normal vor, weil ich es anders nicht kannte. Aber irgendwann habe ich angefangen mich zu fragen, warum wir anders behandelt werden als die anderen Leute, die über diese Grenze wollen.“  —  Zitat aus der Sendung

Tim werde ich in nächster Zeit öfter sehen. Er hat sich sehr verändert seit der Schulzeit. Ich auch.

Die Besonderheit an dieser Sendung war nicht das Gespräch allein, sondern dass mich gleichzeitig mein ehemaliger Schulkamerad Tim Kohlen begleitet hat. Er dreht mit seinem Kollegen einen Dokumentarfilm, der den Spagat zwischen den Kulturen aufgreifen soll, den ich tagtäglich zu meistern versuche.

„Der Spagat zwischen den Kulturen ist sehr schwierig, weil man sich immer wieder fragen muss: Wo positioniere ich mich?“  —  Zitat aus der Sendung

Wo mir dieser Spagat begegnet möchte Dana wissen und zielt damit vor allem auf Beziehungen und Liebe ab. Da ich Single bin, fällt es mir schwer auf diese Frage konkret zu antworten. Man weiß ja nie, wo die Liebe hinfällt und man sucht sich auch nicht aus, wo man ihr begegnet. Es kann passieren, dass man sich in jemanden aus einer anderen Kultur verliebt. Das ist logisch. Was noch nicht so logisch und angekommen ist: Das sollte überhaupt nichts Besonderes oder der Rede wert sein.

„Wenn man ein ganz normaler Teil der Gesellschaft wäre, wär’s auch nichts besonderes mehr, wenn man sich mischt – auch in der Liebe!“  —  Zitat aus der Sendung

Ich werde von Dana sogar auf das Thema „Zwangsheirat“ angesprochen und sehe das Thema sehr differenziert. Selbstverständlich bin ich gegen Zwangsehen und islamisch gesehen ist eine Ehe, die gegen den Willen der Beteiligten geschlossen wird auch nicht gültig. Aber oft wird Zwangsehe gesagt, wenn Tinder gemeint ist.

„Die Eltern sind sowas, wie ein analoges Tinder. Sie überlegen sich: Wer könnte gut zu unserem Kind passen? Wer könnte unserem Kind gefallen? Wo passt der Bildungsstatus und die Interessen? Und dann schlagen sie dir jemanden vor. Wenn man möchte, lernt man sich kennen und wenn man sich sympathisch ist, kann man heiraten.“ — Zitat aus der Sendung

Was sich für manche Leute, wie eine Horrorvorstellung anhört, ist für andere eine beliebtere Option als Elite-Partner oder Lovoo. Was für mich die bessere Option ist? Am liebsten würde ich jemanden auf einer Blumenwiese, in der Bahn oder der Bibliothek kennen lernen. Oder während ich mich dafür einsetze, dass unsere Welt ein besserer Ort wird. Ganz klassisch also. Was mir an einem Mann wichtig ist? Dass er mich versteht und das er mich liebt und ich ihn.

Ich bin froh, dass ich frei sprechen kann. Doch die Angst missverstanden oder verurteilt zu werden für die eigenen Ansichten ist immer da.

„Viele Männer kommen mit starken Frauen nicht zurecht, weil sie noch an ihrer alten Rolle kleben. Auch deutsche Männer“  sagt Dana

„Männer lieben starke Frauen“, denke ich und sage es nicht. Dann reden wir noch über den Unterschied, wie es wäre ein Mann zu sein. Dana kennt sich da aus, weil sie selber mal einer war. Wir reden noch über Kopftücher, obwohl wir nicht das auf keinen Fall tun wollten. Wir reden über meine Frisur, obwohl ich das auf keinen Fall tun wollte. Wir diskutieren und sind uns nicht immer ganz einig, aber wir lachen viel und sind uns sicher in einer Sache sicher:

Wir wollen keine Fronten. Wir wollen keine Grenzen. Wir wollen kein Rechtfertigen und Entschuldigen. Wir wollen keine Akzeptanz oder Anerkennung. Wir wollen nur frei sein und dass jeder frei ist, das zu tun und so zu leben und das zu sagen und so zu sprechen, wie man möchte. Wir wollen nur Freiheit.

Ich finde es war alles in allem ein gutes Gespräch. Jetzt bin ich gespannt auf eure Meinungen und Reaktionen!

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Wählt! Wählt! Wählt!

Ich habe die heiße Wahlkampfphase in der heißen Türkei verbracht. Meine Wahlentscheidung hatte ich schon vor meiner Abreise getroffen und per Briefwahl die DiB (Demokratie in Bewegung) gewählt. Weil ich niemanden in seiner Wahlentscheidung beeinflussen wollte, zeige ich euch erst heute, am Tag der Wahl, mein Interview mit Jörg Rupp, dem Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg der Partei DiB.

Mein Appell an alle, die heute noch nicht in einem Wahllokal waren: WÄHLT!

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Ein Tweet und seine Geschichte

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL ist diese Woche ein Artikel mit mir erschienen. Fiona Ehlers, die Redakteurin, die mich interviewt hat, benutzt selber gar kein Twitter. Sie hat eine Meldung in der Welt oder im Tagesspiegel gesehen, sagte sie mir und wollte der Geschichte hinter dieser Meldung auf den Grund gehen.

Ich habe schon mit den unterschiedlichsten Medien etwas zu tun gehabt – ob vor oder hinter der Schreibfeder oder Kamera. Die Arbeitsweise dieser Journalistin hat mich im Hintergrund dieser Erfahrungen wirklich beeindruckt. Sie ist mich besuchen gekommen und hat einen ganzen Tag mit mir verbracht, um mich und die kleine Geschichte hinter einer kleinen Meldung kennenzulernen. Ich habe mit ihr nicht nur über mich, sondern auch über ihre Arbeit, ihre Reisen in muslimische Länder und den Journalismus gesprochen, über das Frau sein in der Berufswelt, den Islam und Deutschland.

Hier unten findet ihr erstmal den Artikel und wenn es euch interessiert, schreibe ich auch gerne mal mehr über meine Erfahrungen mit Journalisten, dem „selber was mit Medien machen“ und meinen Uni-Wechsel. Viel Spaß beim Lesen. Und kommentieren nicht vergessen!

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#Weltfrauentag – Brauchen wir Feminismus noch?

Wir brauchen Feminismus. Das ist klar. Ich finde es wichtig, dass sich sowohl Frauen als auch Männer für Gleichberechtigung einsetzten. Es ist von Bedeutung, dass sich Frauen vernetzten und es ist entscheidend, dass sie ihre Rechte verteidigen – sei es, wenn es um ihre körperliche Selbstbestimmung geht, im Beruf oder auch bei der Bezahlung.

Quelle: Südkurier

Quelle: Südkurier

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Wir kommen! Ein Wundermittel gegen Angst und Hass.

An einem normalen Tag hätte ich einfach weggehört, wenn jemand mich als Bombenlegerin bezeichnen würde. Ich hätte das ignoriert. Verdrängt.

Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln werde ich so oft von fremden Menschen angepöbelt, da kann man eben nicht jedes mal drauf eingehen. Kämpfen. Alleine kämpfen. Denn so sieht es meistens aus. Wenn man sich wehrt, provoziert man den Pöbler und alle anderen Menschen sitzen da und schauen aus dem Fenster raus oder noch schlimmer: Glotzen!

Der Ort des Geschehens. Der Ort des Geschehens.[Weiterlesen]

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All I want for Christmas..

Es mag merkwürdig aussehen, wenn ich als Muslima irgendwas über Weihnachten erzähle. Meine kleine Schwester hat aber eigentlich schon sehr treffend formuliert, was ich sagen wollte: „Mir ist egal, ob wir Muslime sind. Ich mag Weihnachten.“

Ja, ich mag Weihnachten. Auch wenn man meinen sollte, dass Muslime gerade an Weihnachten merken sollten, dass sie nicht dazu gehören. Aber das stimmt gar nicht. An Weihnachten treffen sich alle, alle sind lieb, es gibt Kekse, man denkt auch mal an die Armen, an die denen es nicht so gut geht, überall gibt es Glitzer und Lichter. Und ich hab mich noch nie in der Weihnachtszeit ausgeschlossen gefühlt, auch wenn ich selber eigentlich kein Weihnachten feier.

Deutschland, schau auf diese Stadt! Hier trauern Christen und Muslime gemeinsam um die Toten des Anschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. (Foto: AFP)

Deutschland, schau auf diese Stadt! Hier trauern Christen und Muslime gemeinsam um die Toten des Anschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt.
(Foto: AFP)

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