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Helden gesucht!

Ein paar Intellektuelle setzen sich zusammen und sprechen gemeinsam über den Islam. Vielleicht läd man noch einen Moslem mit einer Sprachbarriere ein, obwohl mehrheitlich muttersprachliche Muslime im Land leben, um die Show vollends ins Lächerliche zu ziehen oder man lässt es bleiben, um in Ruhe hetzen zu können. Das gibt es in der ARD, in Amerika und auch in der Mensa.

Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin
Die meisten Leute haben ja gar nichts Böses im Sinn
Es ist ihr eintöniges Leben, was sie quält
Und der Tag wird interessanter, wenn man Märchen erzählt

Und wahrscheinlich ist ihnen das nicht mal peinlich
Es fehlt ihnen jede Einsicht
Und wieder mal zeigt sich: Sie sind kleinlich
Unvermeidlich fremdenfeindlich

Ein Ohrwurm von den Ärzten kann helfen, Helden auch. Heldenhaftigkeit fängt klein an und kann trainiert werden. Uneigennützig für etwas aufstehen ist nicht leicht, aber heldenhaft.

Irgendwann wird es nicht mehr heldenhaft sein, wenn man ein Problem damit hat, dass Muslime für ihre Religion öffentlich gedemütigt, verurteilt und geächtet werden, selbst wenn man nicht viel über den Islam weiß. Es wird selbstverständlich sein und auf diese Zeit warte ich.

Der weltweit bekannte Schauspieler und Regisseur, Ben Affleck, hat am Tag der deutschen Einheit in der Talkshow „Real Time with Bill Maher“ auf pauschale islamfeindliche Kritik reagiert und Muslime in Schutz genommen. Der Moderator und ein weiterer Gast, Sam Harris, stellten den Islam aggressiv als Feind jeder Zivilisation dar und waren überzeugt, dass eine komplette Ausrottung zum Schutz der eigenen Unversehrtheit nötig ist. Ben hat sicher auch viel schlechtes über den Islam gehört, aber weiß, dass man nicht alles, was sich pauschal anbietet als Sündenbock und Frustventil nutzen muss.

Jeder sollte kritisieren dürfen, was er möchte und seine Meinung frei sagen können. Das bedeutet Zivilisation. Aber das sollte auch auf Augenhöhe passieren können. Vor allem das bedeutet Zivilisation.

Bis unsere Zivilisation erwachsen wird, werden ein paar mehr Helden nötig sein.

Hier geht es zum Video.

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Fussballnot in Syrien

Auf wessen Hilfe und Unterstützung könnte ich eigentlich zählen, wenn ich selbst Opfer eines Verbrechens werden würde, wo so viele Menschen in meiner Umgebung Missstände von andern Menschen ignorieren?

Unser Umgang mit Gewalt und Unrecht erschreckt mich immer wieder. Viel zu selten weisen wir darauf hin, wollen uns kaum damit beschäftigen. Uns geht es ja im Großen und Ganzen gut. Wozu also der Stress? Wozu an Dinge erinnern, die uns die gute Laune verderben könnten? Manchmal habe ich gar das Gefühl, dass es als lästig und aufdringlich empfunden wird, wenn Menschen auf Krieg und Not hinweisen.

Man kann nicht die ganze Welt verbessern und alle Menschen retten. Leid und Not herrscht an vielen Orten der Welt.

Es ist auch unfair, seinen Mitmenschen die WM-Laune zu verderben, indem man ständig auf die Situation in Brasilien hinweist. Doch nur weil wir mit einem vergleichsweise unbeschwerten Leben hier gesegnet sind und nicht ändern können, dass es nicht überall so schön ist, wie in Deutschland, bedeutet es nicht, dass wir uns aus der Affäre ziehen dürfen.

Im Gegenteil: Wir haben als Menschen eine Verantwortung und was kann einen glücklicher machen, als die Früchte der Verantwortung zu begutachten, die man tragen konnte.

Mein Papa war bei Flüchtlingen in der Türkei, um sich anzuschauen, was sich dort durch die Unterstützung unserer Gemeinde in den letzten Jahren getan hat. Er kam mit zwei Gesichtern zurück. Einem Lächelnden, das ihm die Kinder schenkten, die wieder ein sicheres Dach über dem Kopf haben. Und mit den Tränen derer, die Arbeit, Haus, Familie und ein normales Leben verloren haben.

Und trotzdem: Genießt alle positiven Aspekte dieser WM, jubelt mit und möge der bessere gewinnen. Ich fiebere auch schon und tippe vielleicht etwas törichterweise auf Deutschland als WM-Sieger. Ab und zu muss man was Verrücktes tun…