Artikel
8 Kommentare

Bitchism sucks – Meine erste Begegnung mit Lady Bitch Ray

Im Laufe des Tages habe ich mehrere Nachrichten mit dem Link zu einem Facebook-Post der Rapperin „Lady Bitch Ray“ bekommen, den sie an Kübra Gümüsay richtet und worin sie mich erwähnt.

Bis zum heutigen Tag habe ich noch nie etwas von dieser Frau gehört, geschweige denn mich mit ihr beschäftigt und möchte das eigentlich auch in Zukunft nicht tun. Ich sehe es aber als notwendig hier eine Gegendarstellung zu verfassen, da ich mich von ihr instrumentalisiert fühle und ihre Falschaussage richtig stellen möchte.

Teil des Facebook-Posts von Lady Bitch Ray

[Weiterlesen]

Artikel
5 Kommentare

Kopf oder Zahl

Es geht ums Netz und Migration und irgendwo da drin bin ich. Ich, eine Muslima, in einer wunderschönen Moschee. Oder einem Hörsaal?

Oh, ich freue mich sehr, endlich mal in Deutschland eine richtige Moschee zu sehen. Mit Kuppel bzw Dom und schönem Teppich, verziehrenden Fließen und dekorativem Mosaik, echter Kanzel, Gebetswaschräumen und sogar Minarette. Für mich ist das nicht selbstverständlich in Deutschland. Aber Muslime in Moscheen gibt es doch zu Hauf.

“ Wenn’s um Eis geht, dann in einer Eisdiele“ sagt mir ein Freund. Das sollte Gesellschaftskritik sein und irgendwo hat er Recht. Wenn es um Glauben/Religion geht dann ist es ok. Aber wenn es um etwas anderes geht ist es Klischee. Und es geht um etwas anderes.

Ich liebe Moscheen und ich besuche sie auch sehr gerne und regelmäßig, auch wenn sie hier bei uns im Süden nicht so schön sind. Meistens geht es dabei um beten und Koran lesen oder es gibt eine Predigt, manchmal wird ein Neugeborenes gefeiert, ein islamisches Fest oder eine Hochzeit und dass ich als Muslima in einer Moschee bin merke ich meistens daran, dass ich entweder etwas adäquates dabei oder an habe (langer Rock, weites Kopftuch). Ich habe mich aber noch nie gefragt, ob ich in eine Moschee gehöre und spontan fällt mir eigentlich immer nur die Uni ein. Die Bibliothek, ein Hörsaal, die Mensa, der Garten..wir haben keinen Campus, aber ich lebe praktisch in der Uni und ich fühle mich wohl hier. Trotzdem ist es komisch dieses Bild: Muslima mit Kopftuch + Uni? Gehöre ich hier her?

Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen Angst, dass ich in einer Moschee nicht mehr Merve aus Tübingen bin, sondern Ayse, die mit 4 Jahren aus Anatolien auf einem Esel nach Deutschland geritten kam und jetzt Anwältin werden möchte.

Ein anderer Freund hat mal gesagt: “Akademikerinnen mit Kopftuch werden bald das Image des Kopftuches in Deutschland verändern” (http://mervykay.wordpress.com/2013/10/18/blockquote-cla/) und das ist auch irgendwie die Message, die ich mit meinem Blog rüber bringen möchte. Dass Muslime überall hin gehören und nicht nur in ihre „Nieschen“.

Das ganze Setting in der Moschee verfälscht dann alles, was ich bezwecken will. Und da wäre es jawohl für die richtige Message eher förderlich, wenn man an einem etwas moderneren, um nicht zu sagen westlicheren, nicht ganz so konservativ angehauchten Ort sein würde. Mit diesem Moschee-Setting bedient man doch nur genau das Klischeehafte und festigt unterschwellig ein bestimmtes Bild.

Ich behaupte jetzt mal, dass 50 % der Deutschen durchaus im Hinterkopf haben, dass ein religiöser Moslem/eine religiöse Muslima und dann noch in einer Moschee, nicht zu Deutschland gehört und da wäre die Location als Stilmittel, um dagegen zu halten, mehr als falsch. Denn die Menschen, die so denken, hat man damit gleich verloren.

Moscheen sind sicher interessant und eine Muslima in der Uni vielleicht leider auch noch ein bisschen. Nicht zuletzt werde ich in der Uni von Besuchern eines Konzertes im Festsaal oft für eine Putzfrau gehalten. Ersteres ist vielleicht gar nicht so schlecht. Dafür kann man jedes Jahr den Tag der Deutschen Einheit, wie gleichzeitig auch der offenen Moschee, nutzen, um das zu ändern. Letzteres aber kann durchaus schwerer sein, denn da muss man tief rein in die Köpfe, aber vielleicht will ich das?

Keiner kann mir diese Entscheidung abnehmen. Möglicherweise liegt meine Skepsis auch einfach nur daran, dass ich nicht so eine laissez faire Lebenseinstellung habe. Eine Moschee ist aber für mich auch keine Deko und deshalb bin ich mir eigentlich fast sicher, dass ich mich in einem Hörsaal wohler fühlen kann.

Ich gehöre nicht zu meinem Glauben, mein Glaube gehört zu mir!

Bis Bald,

Mervy Kay

foto-6-1

Ich bin ich.

Ich bin nicht die anderen.

Man sollte sich nicht mit anderen vergleichen.

Du bist nicht die anderen.

Du bist du.

Machen wir was daraus?

F  i  r  s  t  .    L  o  v  e  .    Y  o  u  r  s  e  l  f   .

Ich mag deine Texte, weil sie mich berühren. Hätte selbst auch nicht gedacht, dass eine Muslima das schafft (scheiße kling das doof).

Ist aber passiert, einfach so und das finde ich wirklich sehr schön.“ – keinPirat

Oft denke ich, dass ich ALLES falsch mache.  Wenn ich mal weiß, dass ich etwas richtig gemacht habe, dann erst ganz viel später und meistens habe ich dann sowieso nicht darüber nachgedacht, was ich mache.

Warum habe ich z.B. diesen Blog  noch? Ich bin nicht mehr krank und habe darum auch keine Zeit mehr. Überhaupt habe ich doch nichts zu sagen, was lesenswert wäre!

Worum geht es hier? Zählen meine Taten? Meine Absichten? Zählt das, was man  sieht? Was man spürt? Zählen die Fehler, die ich mache? Das Resultat, das ich halte?

Welche Erwartungen habe ich?

Es gibt viele Menschen, die auf meinen Blog stoßen. Denen ich in die Timeline oder auf die Startseite gespült werde. Die meisten von ihnen werden sich langweilen und weiter klicken, einige werden sich ärgern und nichts weiter tun, aber es gibt sie, die Menschen, die mich nicht gesucht, aber gefunden haben!

Komischerweise werde ich von ihnen nie als „Mädchen“ gesehen. Eher als Botschafterin einer fremden Welt. Doch wenn ich helfen kann, sich seinen (Vor)Urteilen bewusst zu werden oder einfach nur ein praktischer Hintergrund bin, zu dem, was theoretisch schon da ist. Wenn man mich braucht und wenn man sehen kann, dass ich wirklich für meinen Islam brenne, dann bin ich bereit diese Bürde zu tragen.

Ich bin aber keine Märtyrerin, die stark und selbstlos für ihren Glauben eintritt. Nein, ich bin eigennützig. Denn ich warte immer darauf, dass etwas passiert und man mich plötzlich nur noch als Mensch sieht. Verletzt, traurig und unsicher..

Ich gewähre Einlass in mein Leben. Der Tribut, den man zu zahlen hat, ist mich zu sehen.

Manchmal passiert das.

VLG Mervy Kay – Eure religiotische Kopftuchbraut!

Artikel
29 Kommentare

SPOTTED: Die Kopftuchmenschin

Kopftuch, Kopftuch, Kopftuch – kein sehr schönes Wort für einen so schönen Vers des Korans, den ich seit Jahren versuche würdevoll auf meinem Haupt zu tragen. Hijab heißt es richtig und es hat eher wenig mit nur einem Stückchen Stoff zu tun.

„Es passt gar nicht zu dir!“, habe ich oft gehört. Ob ich es aus Zwang trage, will man wissen. Gott hätte uns ohne Haare geschaffen, wenn er sie versteckt haben wollte, meinen viele: „Gehören sie etwa nicht zu dir, deine Haare?“

Aber natürlich gehören sie zu mir und als ich anfing Hijab zu tragen, habe ich anfangs sogar ein bisschen das Gefühl gehabt, einen Teil meiner Identität verloren zu haben. Es war zwar natürlich ein selbstbestimmter Akt, doch ich hatte den Verlust unterschätzt, den ich tatsächlich erlebte. Plötzlich bedeutete es etwas, wie ich von anderen wahrgenommen wurde. Bislang konnte niemand sehen, welchen Glauben ich hatte oder wie ich dazu stand und jetzt war es offensichtlich, denn der Hijab gehört eindeutig zum Islam. Ich war überall und immer nur noch Muslima. Ich musste mich stets für meinen Glauben entschuldigen und ihn rechtfertigen, zu jedem „Issue in Islam“ fundiertes Wissen beweisen und eine Meinung haben:

Minarette, Burka, Mohammedkarikatur, Steinigung, Salafismus, Homosexualität, Selbstmordattentäter, Scharia, Ehrenmord, Zwangsheirat,… ∞ !

Bald lernte ich allerdings damit umzugehen und meine eigene Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Irgendwann findet man gar nichts mehr schlimm und im Studium lernte ich dann die verschiedensten Muslimas kennen, die ihren Glauben auf unterschiedlichste Art und Weise ausdrückten. Ob ihr Hijab eine Burka, ein Kopftuch, ein Turban oder nichts ist, kennen sie alle die Trendfrage No.1: Warum trägt man Hijab?

Eine gläubige Frau soll ihre Gewänder über sich ziehen, um als Muslima erkannt zu werden und damit sie nicht belästigt wird, so der Koran!

Eine Frau, die ihr Haar mehr oder weniger kunstvoll verdeckt, soll oder will also nicht wahrgenommen werden? Nein, abgesehen von den wenigen Männern, die sich Zettel an die Kühlschranktür kleben, bei welchen Minderheiten sie noch im Bett landen wollen, werden wir sowieso weniger als Frau wahrgenommen als vorher, aber auch für alle anderen gilt im Normalfall für den Umgang mit Kopftuchmitmenschinnen: nicht anfassen, nur anschauen!

Sowieso viel wichtiger im modernen Kontext und eindeutig stärker im Vordergrund steht der Aspekt der Repräsentation und stößt damit auch auf die größeren Hemmungen. Es herrscht allgemeine Unsicherheit darüber, ob man einer Kopftuchmenschin so viel Selbstreflexion zumuten kann, dass sie auch noch für etwas anderes stehen kann, als für den Islam, leider noch.*

„Wenn man mit euch in Kontakt kommt, überraschst ihr einen wahnsinnig und gerade Menschen, die kopftuchtragende Mädchen von vorneherein in ein Raster fallen lassen, bekommen euch halt in ihrem begrenzten Weltbild nicht unter.       Genau mit denen musst du dich anlegen Mervy Kay, aber mach dich auf etwas gefasst, wenn du rebellieren willst!“

Wir treten mit unseren Tüchern deutlich aus der Masse hervor und es ist verständlich, dass die Umstände für uns manchmal etwas schwerer sind, als für andere Menschen hier in Deutschland. Aber ist es nicht leicht, sich einzureden, es gäbe auf der ganzen Welt keine anderen, die es einfach nicht schaffen, etwas zu verändern? Dieses Gefühl ist falsch und man darf niemals den Mut verlieren, es jeden weiteren Tag wieder und wieder zu versuchen, bis das Kopftuch eines Tages vielleicht sogar ein Pluspunkt sein kann, egal für was. Wir müssen die Sache jetzt einfach rumreißen!

Ich habe mich nie hinter meinem Kopftuch versteckt oder es vorgehalten und ich werde es nie für jemanden oder für etwas ausziehen, wenn, dann nur für mich und die Kopftuchmenschin, die das Kopftuch als Handicap sieht, sollte es bitte gleich sein lassen!

Last but not least möchte ich ein riesiges  Danke  sagen, mit strahlen in den Augen, an alle Mitmenschen, die keine Muslime sind und trotzdem so einen weiten Horizont haben, dass sie mit mir an die Kopftuchmenschin glauben und an mehr!!

Mervy Kay

* Die Betonung liegt auf dem feinen Wörtchen „noch“!