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Rassismus vs Opferrolle

„Wenn ich erfolglos eine WG suche und mir dann geraten wird, in Emails einen deutschen Namen statt den eigenen anzugeben. #schauhin“ – @baum_glueck

Vor drei Jahren startete auf Twitter die Aktion #schauhin. Tausende User teilten unter dem Hashtag ihre alltäglichen Erfahrungen mit Rassismus und erreichten damit die Trending Topics in Deutschland. Daraufhin wurde das Thema Alltagsrassismus von zahlreichen Medien aufgegriffen.[Weiterlesen]

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FAITH over FEAR

Was ist hier los? Ist es nicht zu früh, um zurück zu blicken? Von „alten Zeiten“ zu reden und Erinnerungen in Rückblenden zu sehen? Das erste Klassentreffen wird geplant! Warum macht mich das so nervös?

Dieses Treffen wird mehr als nur ein Wiedersehen. Zum ersten Mal wird unsere Vergangenheit unserer Zukunft begegnen. Ich fühle mich in meine Schulzeit zurückversetzt. Mir fiel es damals sehr schwer, eine Rolle zu finden und mich in die Gesellschaft „Schule“ einzuordnen. Bevor ich diesen Ort verließ, sagte mir ein Mitschüler etwas, das ich es erst jetzt verstehe:

„Dir kommen die anderen merkwürdig vor, weil Du anders bist, Mervy Kay. Aber Du bist auch nicht merkwürdig, nur gewöhnungsbedürftig und wir haben uns an Dich gewöhnt!“

Das war kein gescheiterter Versuch, mir ein Kompliment machen zu wollen. Es ist ein Gleichnis für ein Thema, eine Frage, ein Problem, das mich immer schon beschäftigt hat: Die Rolle der Muslime in Deutschland!

Was jeder weiß: Wir sind einfach nur anders, nicht merkwürdig. „Anders“ zu sein, ist überhaupt nicht schlimm. Das Problem ist, durch sein Anders-Sein benachteiligt zu werden. Und das will keiner!

#SchauHin war echt klasse und hat viel Aufmerksamkeit mobilisiert. Kein Grund, sich rein zu steigern. So ein Opfer-Getue tut einem auf Dauer selbst nicht gut. Vergessen wir also mal das Anders-Sein, den Alltagsrassismus und die Auswanderungspläne: Wir sind hier, gewöhnt euch dran (Das ist übrigens an Deutschland  u n d  die Muslime gerichtet, falls das nicht klar sein sollte).

Die Erinnerung schwärzt die kleinen Dinge. Versucht trotzdem zurück zu denken. Kommen euch die Differenzen aus der Schulzeit nicht lächerlich vor? Erst wenn man die Schule verlässt, wird einem bewusst, wie kleingeistig unsere Lebensvorstellungen damals waren. In Zukunft ist heute die Vergangenheit, an die wir zurückdenken werden.

Ich werde niemals den Islam repräsentieren oder für alle Muslime beantworten können, warum ich Kopftuch trage, bete und warum ich glaube! Die Person, die euch das Gefühl gibt, hier nicht willkommen zu sein, kann auch nicht Deutschland repräsentieren. Das kann keiner, selbst wenn diese Person Merkel ist oder der Präsident. Es gibt nicht nur eine Realität. Es gibt nicht nur die Muslime und es gibt nicht nur die Deutschen.

Ich weiß nicht, ob ich inzwischen vernünftiger oder bekloppter geworden bin. Nur habe ich mich nie mehr als Deutsche  u n d  als Muslima gefühlt als jetzt, wo ich diese Winzigkeit verstanden habe.

Kein Mensch verdient es in ein Raster zu fallen und kein Mensch passt in eine Schublade! Ich bin dafür, dass wir unsere Kommoden jetzt sprengen und anfangen an mehr zu glauben.

Ein paar Monate sind es noch bis zum Klassentreffen. Mal sehen, wer wir bis dahin geworden sind!

Mervy Kay

P.S.: Dies sollte bitte nicht als Aufruf verstanden werden, sich schützend vor eine exotische Minderheit zu stellen. Es geht darum, endlich gleichberechtigt ernst genommen zu werden. Insch’ALLAH bald!