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Die edelste Form der Liebe ist der Verzicht.

Wir werden geboren und wir sterben in einem Atemzug.

Ich fragte einmal meine Mutter, was wir die unzähligen Jahre tun werden, in denen wir tot sind.

Ist die Zeit, die uns hier einfach so verfliegt alles? Ist es von Belang, was wir mitnehmen und wem wir begegnen, wenn wir durch die eine Tür in das Leben hinein laufen und am Ende des Raume mit leeren Händen wieder hinaus gehen?

Meine Mutter ist eine kluge Frau, die das Leben mit einer Leichtigkeit lebt, als hätte sie noch nie irgendetwas verloren. Sie antwortete mir mit einer Gegenfrage:

Was haben wir die unzähligen Jahre gemacht, als wir noch nicht gelebt haben? Erinnerst du dich an deine Zeit in meinem Bauch oder die Zeit davor? Vielleicht hast du schon einmal gelebt und den Schmerz schon einmal gefühlt. Vielleicht hast du ein letztes Mal die Chance diesmal anders zu leben oder du wirst dir nie bewusst, dass jeder Moment, dein letzter sein kann. Wir alle verlieren etwas auf unserem Weg. Aber manches kommt dann und wann zurück. Ganz unerwartet in diesem Leben noch oder in einer ganz anderen Zeit. Manchmal begegnet uns Liebe als Freundschaft wieder oder eine Erinnerung als ein Traum. Der Tod eines anderen Menschen, kann uns unser Leben wieder geben und ein Fehler, den wir gemacht haben, kann unser Schicksal in die richtige Richtung lenken. Du musst lernen loszulassen, wenn die Zeit diese Veränderung fordert. Ein Schritt folgt dem nächsten und es geht immer vorwärts.

Nichts, was wir hier ansammeln, ist mehr wert, als der Flügel einer toten Fliege, sagt der Koran. Kein Geld, kein Gold, keine Legosteine, keine Menschen, keine Träume und nicht einmal Liebe wird uns retten, weil wir sie nicht mitnehmen können. Aber die Momente, die mit mehr gefüllt sind, als alles, was diese Welt fassen kann, werden immer da gewesen sein und selbst wenn wir uns schon lange nicht mehr an sie erinnern, bleiben sie ein Teil von uns.

Alles, was schwer ist, wird auf den Grund des Flusses sinken und unsere Schätze werden wieder an die Oberfläche steigen und weiter und weiter ins Meer der Zeit treiben, bis wir sie irgendwann aus den Augen verlieren. Und die Menschen, die uns in unserem Leben nicht mit einem einfachen Echo geantwortet haben, sondern in uns räsonierten, diese wenigen für uns echten Menschen, werden mit uns auf den schäumenden Wellen schwingen und wir werden immer weiter treiben. In eine neue Unendlichkeit.

Lassen wir forttreiben, was wir lieben. Selbst, wenn wir uns am liebsten festklammern würden. Sie werden den Stürmen und Gezeiten trotzen. Sie werden an die Stände jener Inseln gespült, deren Küsten zugleich Sonne und Mond sind.

Das Leben ist ein Atemzug, wenn wir an die Ewigkeit denken.

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