Bild

CONTRADICTION

“Still not asking for it” zeigt eine unbekleidete Frau mit einer femen-typischen Aufschrift, die ausdrücken soll “Egal was ich für Signale aussende, du hast sie so zu deuten wie ich es sage. Nämlich völlig umgekehrt zu dem was ich ausstrahle” und soll eine Kritik an victim-blaiming darstellen. Ist dieses Prinzip nachvollziehbar?

Jeder darf sich selbstbestimmt kleiden, wie er möchte und ist für seinen Körper selbst verantwortlich. Man ist verantwortlich, statt zu pauschalisieren und mit zweierlei Maß zu messen, wodurch man widersprüchlich erscheint, Rücksicht auf andere zu nehmen, weil man nicht alleine auf der Welt ist.

Viele Menschen denken immer noch, das Kopftuch einer Muslima sei ein Symbol für Unterdrückung. Doch für mich gibt es nichts selbstbestimmteres, als meine eigene Sichtweise nicht unter die der anderen zu stellen und selber zu entscheiden, wie ich von anderen gesehen werde.

Will ich damit sagen „Alle Männer sind eine Gefahr und alle Frauen müssen ihren Körper so gut sie können vor ihnen Schützen!“?

Nein, denn entgegen der allgemeinen Auffassung ist meine Bedeckung kein Schutz von Männern, weil diese unfähig sind sich unter Kontrolle halten. Ein Quadratmeter Stoff wäre nicht unbedingt ein effektives Hindernis für einen Drängler, nicht wahr? Schließlich bin ich weder ein Zauberer, der ein lustiges Ablenkungskaninchen oder ein magisches Schutzschild aus seinem Tuch zaubern kann, noch eine Ninja-Kriegerin die besondere Karateschutztricks mit Stoffstücken drauf hat.

Mein Kopftuch ist für mich alleine und schützt im Einklang zu meinen Intentionen und meiner Lebensweise, meinen Glauben, meine Identität und mein Bewusstsein.

Männer als Täter unter Generalverdacht zu stellen, ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen seine Freizügigkeit auszuleben und anderen seine eigene Lebensweise aufdrängen zu wollen, ist ebenso widersprüchlich, wie Kopftuchträgerinnen, die nicht auf hautenge Jeans und tonnenweise Make-up verzichten können.

Jeder Mensch sollte versuchen in seinen Absichten und Handlungen in sich schlüssig zu sein, authentisch zu sein, also echt. Alles andere kann ich nicht ernst nehmen.

Ich danke Martin Domig von www.flussfaenger.wordpress.com für die Idee.

Ich danke Martin Domig für diese Idee.

12 Kommentare

  1. dein bild gefällt mir sehr, mervy. welcher mann kennt diesen widerspruch nicht? welcher mann und auch welche frau möchte ihn missen? aber die dosis macht das gift. je mehr man den körper einer person in den mittelpunkt rückt, umso mehr reduziert man die person auf den körper. wenn man sich selbst auf seinen körper reduziert, dann darf man sich nicht wundern, wenn es einem andere gleich tun. sich deswegen über die anderen zu beklagen, ist albern.

    nimmt man die themen der frauenzeitschriften als maßstab für die interessen „der frauen“, so ist ihnen anscheinend der körper, die schönheit, das äußere schlechthin, sehr wichtig. wegen wegbrechender gesellschaftlicher und religiöser restriktionen, eskaliert dieser körperkult zusehends. wie vielen frauen ist bewusst, dass sie sich damit immer mehr auf ihren körper reduzieren? ist das gewollt? ich bin da pessimistisch.

    dein anspruch stets authentisch zu handeln, ist ein hehres ziel. wer ist in seinen handlungen schon immer schlüssig? ich frage mich eher, ob sie wissen, was sie tun.

      • Danke für das Kompliment. Ich bin mir nicht sicher, ob es islamically correct ist so etwas zu zeichnen, aber sex sells. 😉

      • Ich möchte hier gar nicht die Frau in ihre Schranken weisen. Von mir aus kann sie ihren Körper noch so in den Mittelpunkt stellen und das rechtfertigt nicht, dass es andere tun. Mit Widerspruch meine ich, wie im vorletzten Absatz beschrieben, auf der einen Seite so zu handeln und auf der anderen Seite anderen Frauen nicht einzugestehen, dass sie das anders machen wollen. ^^

      • Apropos reduzieren auf den Körper: Wenn man Kopftuch trägt, erkennt man super, wer auch dein Äußeres schaut und wer auf deine inneren Werte. Als ich angefangen habe Kopftuch zu tragen hat eine sehr gute Freundin von mir auf der Straße so getan, als würde sie mich nicht kennen, weil es ihr wahrscheinlich peinlich oder unangenehm war oder weil sie den Schritt nicht verstanden hat. Die Freundschaft war damit beendet. -.-

  2. Gefällt mir, auch der Kommentar von albert. Ich kann noch dies hier bei steuern:

    • Ich möchte hier ja nicht irgendwelche Übergriffe rechtfertigen, nur eben bisschen Aufrufen zu reflektieren. Das Video passt eigentlich ganz gut..Mir hat ein Veteran mal erzählt, dass er das Kopftuch auch ein bisschen so sieht, wie seine Uniform und deshalb respektiert. Wenn man es an hat schlüpft man in eine Rolle, nimmt damit Verantwortung an und repräsentiert damit etwas das größer ist, als man selbst. Mir hat mein Kopftuch immer sehr viel Stärke gegeben. Bei wem das nicht so ist, sollte darüber nachdenken, ob er was falsch macht.

  3. das musste ich zweimal lesen:
    „Männer als Täter unter Generalverdacht zu stellen, ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen seine Freizügigkeit auszuleben und anderen seine eigene Lebensweise aufdrängen zu wollen, ist ebenso widersprüchlich, wie Kopftuchträgerinnen, die nicht auf hautenge Jeans und tonnenweise Make-up verzichten können.“
    kann kopftuch UND make-up nicht auch eine eigene lebensweise sein? ich finde das oft sogar sehr faszinierend, wie viele frauen, die kopftuch und lange mäntel tragen, sich mit gutgeschnittenen taillen und lidstrich bewusster (und feiner) zurechtmachen, als die, die ihre figuren in viel-zu-kurz-und-knapp zwängen.
    ich weiß nicht, wie es ist – aber ich könnte mir vorstellen, dass es verschiedenen gründe gibt, ein kopftuch zu tragen und dementsprechend viele arten, es zu tragen oder zu kombinieren. schon allein, wenn ich da an die vielen verschiedenen steck- und wickeltechniken (vom knoten unterm kinn bis zum geschmückten vielfarbigen etwas, das mit den farben der kleidung harmoniert) denke, kann ich mir das fast nicht anders vorstellen.

    • Da hast du schon Recht. Ich trage ja auch oft Make-up, aber halt keine Tonnen und ich verbiete es keinem, sage nur, dass es eben widersprüchlich ist und man sich nicht wundern soll, wenn man dann nicht verstanden wird.

      Und der erste Teil: Das ist wie im Straßenverkehr. Wenn du selber auf der Autobahn schnell fahren willst, musst du eben die Spur wechseln und kannst die anderen Autos nicht zwingen auch schneller zu fahren und wenn man einen Unfall baut, kann natürlich keiner sagen „Selber schuld..wärste halt mal langsamer gefahren“, weil es keine Geschwindigkeitseingrenzung gab in dem Bereich, aber man kann halt auch nicht sagen „Ja die Kurve ist Schuld, wenn die mal die Straße anders gebaut hätten wär das nicht passiert“..schließlich fahren da täglich 1000 Autos rüber und denen passiert das auch nicht, auch wenn langsamer fahren nicht vor Unfällen schützt.

      Vielleicht ist das so verständlicher.

      • dann bin ich weiter deine meinung 🙂 jeder ist für sich selbst verantwortlich – und das ist genauso wenig die entschuldigung für eigenes fehlverhalten (fehlsignale) wie umgekehrt.

  4. Deine Meinung gefällt mir ja, vor allem deine Parteinahme gegen den Generalverdacht gegen Männer. Aaaaaber:
    Du hast in einem früheren Beitrag die Sure 24, Vers 31 zitiert:

    Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck [d. h. die Körperteile, an denen sie Schmuck tragen; der Übers.] nicht offen zeigen, mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen. Bekehrt euch allesamt zu Gott, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehe.
[„Schmuck“ wird häufig auch übersetzt als „Reize“]
[„Kleiderausschnitt“ wird häufig auch übersetzt als „Busen“]

    In einem weiteren Vers ist die Rede sinngemäß davon, dass alte Frauen es damit nicht mehr so genau nehmen müssen- insgesamt ist doch der Zweck der Verhüllung offensichtlich, nicht den männlichen Trieb zu provozieren.

    Ich verstehe Dein Statement aber so, dass das Kopftuch für Dich ein Glaubensbekenntnis ist, aber losgelöst von dem eigentlichen Sinn…. Ist das so? Ähnlich ist es ja auch mit der Beschneidung (wir haben immer frisches Wasser und Seife)oder dem Schächten und dem Verbot von Schweinefleisch (als die Schlachtvorschriften erlassen wurden, gab es eben keine heutigen Maßstäben entsprechende Hygiene, keine Kühlkammern und kein Bolzenschussgerät). Ist die Vorschrift von ihrem ursprünglichen Sinn gelöst?

    Neugierige Grüße

    • Im Islam gibt es keinen „ursprünglichen Sinn“, sonst hätte man ja die Wahl, woran man sich halten möchte oder nicht. Kann ich sagen „Ähm ich hab den Sinn nicht genau gecheckt, was es mir bringt 5 mal am Tag zu beten und deshalb mach ich das jetzt nur noch, wenn ich Lust drauf hab“? Nein. Der Koran ist eine Richtlinie, wie man sein Leben nach dem Islam ausrichten kann. Man hält sich an die Gebote und Verbote in dem individuellen Rahmen, der einem möglich ist (niemand kann alles perfekt machen). Der Sinn für einen selbst, für sein Leben und seine Verbindung zu Gott offenbart sich dann im Laufe der Zeit. Das hat sehr viel mit Geduld, Vertrauen und Liebe zu tun. Wenn man nicht das Gefühl hat, dass es einen Sinn hat, was man tut, damit aufhört oder versucht andere Begründungen zu suchen „Aber das ist doch nur so, weil damals und Blabla“ macht man irgendwas falsch.
      Man darf auch nicht zu hohe Erwartungen haben. Wenn „Standard-Deutsche“ mir eine Frage zum Islam stellen, habe ich immer das Gefühl, sie wollen, dass alles ordentlich und logisch quadratisch ineinander passt. Das ist wirklich eine sehr deutsche Denkweise. Manchmal hilft es schon Dinge einfach anzunehmen und einzusehen, dass auch „logisch“ und „aufgeräumt“ sein kann, was für einen beim detaillierten Betrachten nicht einleuchtet. Schau dir zum Beispiel ein Mosaik von ganz weitem an (-> wunderschön, in sich schlüssige Form) und von ganz nahmen (-> kleine Steine, die gar nicht zueinander passen).
      Für mich hat das Kopftuch seinen Platz in meinem „Leben“ gefunden und passt da genau rein, auch wenn es oft auf Unverständnis stößt, wenn ich eine konkrete Erklärung abgeben muss, was es denn ausmacht, ob ich nicht darauf verzichten kann. Klar, kann ich darauf verzichten. Das wäre kein Weltuntergang und mein Leben hätte immer noch einen Sinn, genauso wie man eben auf fast alles verzichten kann, ohne das alles zusammenstürzt. Mein Leben stützt und richten sich eben nicht nur danach aus, aber es ist trotzdem wichtig und ich will, dass es da ist, so lange es keinen triftigen Grund gibt darauf zu verzichten.

      • Ich danke dir für die lange Antwort. Tatsächlich möchte ich den Sinn nachvollziehen können, wenn ich mich Anweisungen beuge. Allerdings fehlt mir auch jede Religiösität oder Spiritualität. Ob das typisch deutsch ist, weiß ich nicht. In dunkleren Zeiten war Deutschland voll von Leuten, die “ nur ihre Anweisungen befolgt“ haben. Aber weil das jetzt so erhaben klingt, ich weiß natürlich, dass religiöse Menschen sich ihrem Gott beugen, aber nicht automatisch jeder irdischen Autorität.

        • Ich glaube, dass das nicht viel mit Selbstaufgabe zu tun hat, was ich in deinem Einwand rauslese, sondern mehr mit Selbstbewusstsein im Sinne von „sich über sich selber bewusst werden“ ..also den Sinn in sich suchen und nicht draußen irgendwo.

          In Jura gibt es ja auch verschiedene Auslegungsmethoden und wenn man die am Koran anwenden würde, käme man auch mit historischer, systematischer, usw Auslegung zu verschiedenen islamischen Lebensmodellen.

          So einfach ist das aber nicht. Die Schwierigkeit liegt darin, sich selbst kennen zu lernen und sich bewusst darüber zu werden, was der Koran für einen selber bedeutet und wo er einen hinführt.

          Das ist, was ich mit „unlogisch“ oder „unschlüssig“ meine..es ist, wie ein Gefühl…Liebe oder so..schwer zu erklären, schwer anderen zu beschreiben, ohne dass es nicht mythisch oder irrational klingt, aber dennoch für einen selbst richtig.

          Du solltest mit dir selber nicht so hart ins Gericht gehen. Das Thema Glaube an sich seh ich bei dir sehr positiv.
          Gerade weil du eine starke Persönlichkeit hast und intelligent bist und weil du deine Mitmenschen verstehen willst, ist es für dich etwas schwieriger, alles genau nachzuvollziehen bzw auszurechnen.
          Die einfachen Menschen finden sehr schnell ihren Weg, weil sie nur wenig
          Alternativen haben. Entweder etwas ist gut oder es ist schlecht.
          Ein intelligenter Mensch so wie du hat dagegen sehr viele Optionen und hat deswg einen viel weiteren Weg vor sich, um da anzukommen, wo er seine Mitmenschen nachvollziehen kann.
          Aber du wirst, wenn du den Menschen als Einzelperson betrachtest, verstehen, was dieser Mensch mit dem Ausdruck seines Glaubens meint und auch mit diesen Menschen, die eine dir fremde Lebensweise anstreben, Dinge finden, die du mit ihnen teilst.
          Außerdem wirst du auch immer besser unterscheiden können zwischen den „dummen Menschen“, die einfach nur stumpf und blind Anweisungen folgen oder andere für ihre Lebensweise verurteilen und zwischen den schlauen, so wie dir. 😉

          Ich antworte erst so spät, weil ich deinen Kommentar übersah.

Kommentare sind geschlossen.