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Mag mir jemand die schlechte Laune verderben? Plus: Happy End

Dinge, die mich derzeit beschäftigen. Dinge, die mich derzeit stören. Dinge, die mich glücklich machen und aufbauen sollten und warum ich trotzdem gerade ziemlich schlecht gelaunt bin. Vielleicht könnt ihr mir da ja schnell raushelfen?

Ihr wisst: Normalerweise bin ich ja ein Sonnenschein.

„Du hast aber lang nichts mehr geschrieben!“, höre ich in letzter Zeit immer öfter.
Ich will so gerne wieder mehr schreiben und habe auch immer wieder interessante Themen. Aber einerseits wachsen meine Ansprüche immer mehr. Ich will nichts schreiben, wenn es nicht gut ist. Wenn es nicht aufwändig recherchiert ist und nicht nur so dahingeschmiert. Andererseits habe ich aber auch keine Zeit so viel Arbeit hier reinzustecken. Es gibt noch so viel drum herum, das ich nicht einfach liegen lassen kann.

Warum ich jetzt trotzdem schreibe? Ich dachte, ich kann ruhig mal eine Ausnahme machen und etwas „dahinschmieren“. Ich bin nämlich so wütend und vielleicht bringt es etwas, das auf’s „Papier“ zu bringen, gelesen und getröstet zu werden. Und außerdem kann ich euch bei der Gelegenheit schnell erzählen, was derzeit alles los ist bei mir und komme damit auch vielleicht mal wieder ins bloggen rein.

Hochschule der Medien

Seit ungefähr zwei Semestern studiere ich an der Hochschule der Medien in Stuttgart und ich bin einfach so glücklich damit. Das Studium ist manchmal ziemlich stressig, weil man da nicht nur einfach in der Bibliothek sitzt und liest und dann Klausuren schreibt, in denen man irgendein Prüfungsschema runterrattert, wie in Jura.
Wir machen so viele verschiedene Dinge, wir haben so viele verschiedene Fächer, wir lernen so viel, wir probieren so viel aus, wir erleben so viel. Wir schreiben Beiträge, machen Filme, beobachten Organisationen und diskutieren über Politik. Die Professoren sind einfach super. Sie sind so offen, interessiert und wollen uns wirklich etwas beibringen.

Auf Redaktion Zukunft (unserem Semestermagazin) könnt ihr meinen Beitrag über Jura-Studenten lesen, die Flüchtlinge rechtlich beraten. Da ist auch eine schöne Bildergalerie dabei. Und demnächst erscheint dort auch mein Beitrag über gemeinnützigen Journalismus. Der ist wirklich richtig super geworden! Ich habe für den Artikel eine Karte gezeichnet mit allen mir bekannten gemeinnützigen Medienprojekten in Deutschland und meine Interview-Schnippsel mit den interessantesten Personen in diesem Bereich verlinkt. Vom Chefredakteur von Correctiv bis zur Gründerin von Newscomer ist da wirklich alles dabei. Ich kann es kaum erwarten ihn zu veröffentlichen.
Dann haben wir für Crossmedia-Konzeption noch eine Instagram-Story über Dana Diezemann gemacht. Das ist eine unglaublich starke und inspirierende Frau mit „transsexuellem Hintergrund“ (es klingt so blöd, das zu schreiben). Ihr solltet sie unbedingt kennenlernen, deswegen muss ich unbedingt noch einen Blogeintrag zu unserem Diversity-Tag bei den Digital Media Women schreiben. Da haben Dana und ich zwei spannende Vorträge gehalten.
Bald müssen wir noch unser Spiel abgeben (wir mussten ein PR-Spiel erfinden), ein Lerntagebuch, eine Hausarbeit und drei Klausuren – dann ist das Semester auch schon vorbei.

Falls ihr in der Nähe wohnt, könnt ihr nächsten Donnerstag zur Media Night meiner Hochschule kommen. Da werden alle Produkte der Studenten vorgestellt, die im Laufe des Semesters entstanden sind.

Work, work, work!

Ihr wisst, ich bin andauernd auf irgendwelchen Veranstaltungen unterwegs. Zu meinen Frühjahr-/Sommer-Highlights, zu denen ich vielleicht noch etwas schreiben werde (interessiert euch das überhaupt?), gehören: Mein Vortrag mit Jan Kampmann über Minderheiten in der Medienlandschaft auf der Republica natürlich. Die Podiumsdiskussionen über die „Identität Muslima“ auf dem Deutschen Humanistentag mit Khola Maryam Hübsch und die Podiumsdiskussion bei WoW, einem Projekt, das sich für die Rechte von Frauen mit Migrationshintergrund im Arbeitssektor einsetzt. In zwei Wochen ist dann noch die Stallwächterparty in Berlin – dafür ist dieses Jahr etwas ganz besonderes geplant, aber das kann ich noch nicht verraten!

Dann habe ich Anfang des Jahres bei Zeit Online im Community Management angefangen. Das ist wirklich ein sehr interessanter Job. Vor allem, weil man dort wirklich ungefähr alles mitbekommt, was grad so auf der Welt los ist (weil man automatisch die ganzen Artikel liest) und weil man ungefähr alles mitbekommt, was grad so die Leute in Deutschland alles denken und meinen und finden (weil man automatisch die ganzen Kommentare liest). Gerade bei Islam-, Türkei- und Kopftuch-Themen muss ich oft extrem laut lachen. Ab dem Sommer bin ich auch bei Zeit Campus in der Redaktion und auf dem Z2X-Festival mit auf der Bühne! Yukchu, yuchku!
Vielleicht haben einige von euch auch mitbekommen, dass ich Redakteurin bei Buzzfeed Deutschland geworden bin. Man hat dort einfach mal den besten Chef ever, der sich wirklich und ernsthaft mit dafür einsetzt, dass die Redaktionen in Deutschland ein bisschen bunter werden. Daniel Drepper ist wirklich ein super angenehmer Mensch, ich empfehle euch diesen Artikel zu lesen, wenn ihr ihn besser kennenlernen wollt.

Das schwarze Schaf in der Familie?

So jetzt kommen wir zu dem Thema das mich so aufregt. Ihr seht, ich habe wirklich schon ein bisschen was um die Ohren. Wir haben jetzt endlich den Ramadan geschafft und ich hab echt ein paar miese Wochen hinter mir, in denen ich aus der Entfernung zuschauen konnte, wie mein Uropa, den ich wirklich sehr liebe und mit dem ich viel zu wenig Zeit verbringen konnte, langsam und qualvoll stirbt. Dass ich in dieser Zeit extra-doll für meine Familie da bin, ist selbstverständlich.
Aber heute Morgen habe ich fast die Krise gekriegt, als mein Vater zu mir meinte, ich soll doch mal helfen. Heute ist unser Ramadan-Fest und natürlich hatte ich schon geholfen. Ich finde es nur ein bisschen doof, wenn mein Vater, der selber nicht im Haushalt hilft, mir sagt, mir Anweisungen in diesem Bereich gibt.
Mein kleiner Bruder, der auch volljährig ist und im Gegensatz zu mir so gut wie nichts zu tun hat, weil er mit seiner Schule fertig ist und auf einen Studienplatz wartet, bringt ja schon den Müll raus. Und trägt Einkäufe hoch. Wow. Mein Bruder ist echt ein super Typ, ich verstehe mich echt gut mit ihm und mag ihn sehr, aber ich frage mich halt: Ist das ein Fest für Männer? Hab ich nicht gefastet? Und ich dachte, wir seien keine typisch türkische Familie. Bei uns sind alle gleichberechtigt.

Ich freue mich grad natürlich trotzdem total gleich mit meiner ganzen Familie zu essen und zu feiern!

Unerfüllte Erwartungen

Kennt ihr das auch? Wenn die Leute um euch herum ganz viele Erwartungen haben und ihr damit einfach nicht mehr klar kommt? Ich merke immer öfter, dass ich einfach mit meinen Vorstellungen, wie ich mein Leben leben möchte völlig anecke bei anderen Menschen. Da gehört nicht nur mein Vater dazu, sondern auch eine Erwartungshaltung in der Gesellschaft, dass man als „ingetrierter, muslimischer Bürger“ zu jeder Gelegenheit Friedensdemos besuchen und liberale Moscheen gründen sollte. Vielleicht habe ich keine Zeit? Vielleicht will ich das nicht, weil ich mich auch so schon liberal und friedlich genug fühle?

Und dann gibt es noch Erwartungen, die ich habe. Ich habe zum Beispiel viel mehr Glückwünsche und Lametta zu unserem Ramadan-Fest erwartet! Ich habe einen Monat lang allen die Ohren voll geheult (im wahrsten Sinne des Wortes). Alle Menschen müssen mitbekommen haben, dass Ramadan war. Das kann an keinem vorbei gegangen sein. Einen ganzen Monat Ramadan kann einfach niemand mehr nicht mitbekommen haben. Wirklich nicht. Und dann hat man den ganzen Monat hinter sich und will dieses von der Bedeutung her „Weihnachten-ähnliche“ Fest feiern und dann passiert einfach nichts.

Außerdem bin ich auch extrem gereizt und nervös wegen morgen: Morgen ist die Gerichtsverhandlung wegen meinem Prüfungsamspruch in Jura. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich würde den Termin am liebsten ein paar Jahre verschieben!

So, danke für’s Zuhören. Mir geht es jetzt wirklich schon ein bisschen besser!

Eid Mubarak! Und schreibt mir mal, was ihr so lesen und hören und sehen wollt von mir und ob ihr überhaupt noch wisst, wer ich bin! 😉

Merve

Edit:

Jetzt, wo der Tag fast vorbei ist, muss ich mein ganzes Wehklagen eigentlich wieder zurück nehmen. Ich habe doch noch so viele Glückwünsche und Segenswünsche zu diesem wundervollen Ramadan-Fest (Eid ul Fitr) bekommen. Ich hab Geschenke bekommen. Meine ganze Familie war da, wir haben gebetet und gegessen und so viel Besuch bekommen, dass es gar nicht, wie ein ganz normaler Tag war! Alhamdulillah! Danke!

9 Kommentare

  1. Also, ich mag ganz viel von dir hören, wenn ich auch nicht immer deiner Meinung bin. Ich werde mir auch alle links anschauen. Klingt spannend und ist ja anscheinend viel mehr deines als das Jura-Studium. Wohnst du noch bei deinen Eltern ?

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  2. ich bin froh, dir irgendwann mal in diesem netz über den weg gelaufen zu sein.
    die abgrenzung zu den eltern und zur gesellschaft, schwierigkeiten mit normen und erwartungshaltungen dritter an dich, normen, in denen dich andere sehen wollen: du bist einzigartig, und dass du nicht ohne meckern, nörgeln und appelle in die gedankenschubladen anderer passt zeigt, dass du auf einem guten weg bist: in dein eigenes leben.
    danke, dass es dich gibt.

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  3. Lieben Merve,
    alles Gute für Morgen. Aid Mubarrak. Und Kopf hoch 🙂
    Auch wenn manche nicht sehen, was du noch alles so drumherum erledigst/machst, weitermachen! Es ist wichtig. Für dich. Für diejenigen, für die du dich einsetzt. Und für ein loyales Miteinander.
    Herzliche Grüße

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  4. Toller Artikel. Vielen Dank dafür. UndUnOft Eid mubarak!! Oft geht es mir genauso wie dir. Man weiß gar nicht mehr, wann man was zuerst erledigen soll und dann noch die (ungerechtfertigten?) Ansprüche der anderen ertragen? Und dann war gestern Eid und nichts, wie ich es mir erhofft hatte. Ich sitze mit meinem kleinen Sohn im Krankenhaus. Keine Feier. Das fasten war dieses Jahr zum ersten mal nicht leicht für mich. Und ich bin enttäuscht und ärgerlich. Aber ich kann nur hoffen, dass es nächstes Jahr für uns besser läuft und meine Erwartungen zurück schrauben. Alles gute!

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    • Das tut mir leid zu hören Somaya! Gute Besserung und Eid Mubarak..Ich wünsche dir viel Kraft und dass es bald alles wieder besser aussieht.
      Bestens
      Merve

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  5. Hallo Merve,

    Es ist gut, wieder von dir zu hören, und zu sehen, dass es dir offenbar gut geht, trotz kurzfristigem Wutausbruch.
    Ich wünsche dir ein gesegnetes Fest, und mögen deine Sorgen sich immer so leicht auflösen wie dieses Mal.

    Liebe Grüße
    hataibu

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  6. „Und ich dachte, wir seien keine typisch türkische Familie. Bei uns sind alle gleichberechtigt.“

    Muss damit nichts zu tun haben, war bei uns in der (deutschstämmigen) Familie genau so.

    Da muss man sich als Frau von seinen Eltern und den Ansprüchen ein stückweit emanzipieren, denn sonst ist es irgendwann nicht mehr nur, eine Feier vorzubereiten, denn sonst ist es, am anderen Ende vom Leben: du bist die Tochter, du kümmerst dich (allein!) um deine alten Eltern. Du steckst zurück, trittst auf Arbeit kürzer, weil du sonst die Pflege nicht schaffst usw.
    Ich wehre mich da jetzt schon mit Anfang 30 deutlich dagegen. Wenn meine Eltern alt sind, ist helfen für mich selbstverständlich. Aber absolut gleichberechtigt mit meinem Bruder. Das können er und meine Eltern schon jetzt aus dem Kopf streichen, dass ich, nur weil ich die Frau, die Tochter, das Mädchen bin, allein die Pflege übernehme und mein Bruder höchstens finanziell was beisteuert. Gibts nicht mit mir 😀

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