10 Kommentare

    • Im Christentum ist das „Carpe Diem“- Verständnis verbreitet: Lebe so, als wäre es dein letzter Tag. Denn jeder Tag könnte dein letzter sein!

      Dieses Verständnis kommt zB auch mit der Hipster-Einstellung „Yolo“ wieder.

      Sogar in der griechischen Mythologie bewunderten die Götter die Menschen dafür, dass sie sterben konnten.

      Im Islam ist es anders. Man soll einfach leben. So leben, als würden man niemals sterben.

      Wenn wir wissen, dass wir sterben oder sehen, dass die Welt gerade untergeht, ist trotzdem noch Zeit einen Olivenbaum in unseren Garten zu pflanzen. Selbst wenn wir sicher sind, dass wir seine Früchte niemals essen werden.

      Es ist nie zu spät für das Leben. Hoffnung ist nie aus.

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      • Ich sehe da eigentlich keinen inhaltlichen Widerspruch….. „Leben als würde man niemals sterben“ und „jeden Tag leben als wäre er der letzte“ klingt auf den ersten Blick verschieden, aber wenn man´s genau betrachtet, ist wohl in beiden Fällen gemeint, dass man jeden Augenblick so gut wie möglich nutzen sollte und aus jedem Tag das bestmögliche machen sollte.

        Was für den einzelnen Menschen dann das Bestmögliche ist, ist halt individuell verschieden.

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        • Es macht dann einen Unterschied, wenn man auf einer weißen liege Liegt und zu einer kritischen OP gefahren wird oder eine schwere Diagnose bekommt oder einfach hoffnungslos bist und nicht weiter weißt.

          Deswegen das Zitat: In dem Moment, in dem dich die Angst vor dem Tod ergreift, bringt es dir nichts, ihn zu fürchten. Sondern zu leben, wie du immer gelebt hast. Als würden noch 100 Jahre vor dir liegen. So leben wir doch oder nicht? Wer denkt an den Tod?

          Aber wenn wir wüssten, dass wir immer so leben sollen, als würden wir nie sterben, dann würden wir auch nicht alles immer hinauszögern. Wie viele Menschen versuchen ihr Leben zu ändern, wenn sie merken, dass es nicht ewig ist. Bekommen Panik oder verzweifeln daran?

          Im Koran steht die Geschichte von einem Pharao, der aus der Angst heraus das Glaubensbekenntnis sprach, als er die Wassermassen sah, die ihn wenig später erdrückten und das Leben nahmen. Sein Glaubensbekenntnis wurde nicht angenommen von Allah. Einmal lag aber ein rechtschaffener Mann im sterben. Er war sehr krank und wusste, dass er nicht mehr viel Zeit hatte. Er hatte sein Leben lang Zeit, aber erst jetzt sprach er das Glaubensbekenntnis. Doch mit so einer Zuversicht, als würde er morgen aufstehen und noch 7 Jahre leben. Er starb, aber sein Glaubensbekenntnis ist bei Allah angekommen.

          Ich glaube, dass das eine Verständnissache ist. Ich bin mit dieser Mentalität groß geworden und kenne auch die westliche Sichtweise von Kleinauf. Ich kann verstehen, dass es dir schwer fällt den feinen Unterschied zu erkennen, der für mich meinen Glauben ausmacht.

          😉

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          • Ich muss gestehen, dass es mich eh gewundert hat, dass ein Grundgedanke des Islam mir so einleuchtend erscheint 🙂 Schließlich glaube ich an keinen Gott sondern an die Freiheit und Verantwortung jedes Menschen für die Gestaltung seines/ihres Lebens. Das muss der Unterschied sein: Gott oder nicht.

            Aber ich glaube sehr wohl an die prinzipielle Verständigungsmöglichkeit und die Möglichkeit friedlichen Zusammenlebens zwischen Menschen guten Willens obwohl das manchmal eine andere Auslegung von manchen Glaubenssätzen zB des Islam verlangt.

      • Du könntest sagen ,,Meine Einstellung zum Thema Tot ist:Man soll einfach leben….“
        Aber das es diesen Carpe Diem oder Memento Mori-Gedanken im Islam nicht gibt,würde ich überhaupt nicht sagen,eher im Gegenteil.
        Der Grundgedanke als Muslim ist doch das was Muhammed s.a.s in einen Hadith sagte:,,Nutze deine Jugend bevor du alt wirst.
        Nutze deine Gesundheit bevor du erkrankst.
        Nutze deinen Reichtum bevor du verarmst.
        Nutze deine Freizeit bevor du beschäftigt bist.
        Nutze dein Leben bevor du stirbst.“
        usw.
        Wenn man als Gläubiger den Gedanken lebt:Lebe so als würdest du niemals sterben dann kann ich ja alles ewig aufschieben.
        Ich fange erst mit 40 an zu beten,ich höre auf mit Zina wenn ich Hadsch gemacht habe.
        Oder ich habe dich missverstanden das kann natürlich auch sein.

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        • Nein, man würde nichts aufschieben, weil man wüsste, dass man so stirbt, wie man gelebt hat.

          Vielleicht haben wir unterschiedliche Auffassungen vom Islam. Aber den Hadith, den du zitierst, kenne ich. Ich sehe das aber nicht im Widerspruch zu meiner Ansicht. Lebe die Jugend so als wäre sie dein Alter und lebe dein Alter so als wäre es deine Jugend. Usw.

          Aber ich nehme es mir zu Herzen in Zukunft zu sagen, dass das meine eigene Ansicht ist, wenn ich über etwas schreibe, was ich kenne.

          😉

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  1. Ich denke sehr viel an den Tod. Jeden Tag, auf die ein oder andere Art und Weise. Der Tod ist die einzige Konstante im Leben, und die einzige, die zählt. Nur vor dem Hintergrund der Vergänglichkeit bekommen viele Dinge überhaupt erst ihre wahre Bedeutung. Der Tod, die Vergänglichkeit schärft meine Sinne für die wichtigen Dinge in meinem Leben. Und jeder Mensch, der ernsthaft über das Leben nachdenkt, wird irgendwann einmal existenziell daran verzweifeln. Größe besteht darin, genau dann sein Leben weiterzuleben, und eben nicht aufzugeben. Im Angesicht des Todes zu leben.

    Carpe Diem ist übrigens, so wie es Horaz ursprünglich verfasst hat, eher epikureisch gemeint, und nicht wie im Barock hedonistisch zu deuten. „Nutze den Tag“ gibt nicht alles von der originalen Intention wieder. Ich sehe auch nicht, das Christen nach diesem Prinzip leben würden. Bereiten Christen sich nicht eigentlich im Leben nur auf das Jenseits vor?

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    • Da bin ich überfragt. Wirklich biebelfest war ich noch nie. 😉

      Was kann man den tun, um sich auf den Tod vorzubereiten? Ich denke in letzter Zeit auch viel über den Tod nach und vor allem darüber, dass man die Zeit die verstrichen ist nicht rückgängig machen kann. Wie ich mit Fehlern umgehen möchte und was ich an meinem Leben ändern will. Was ich davon wirklich will und in wieweit ich doch sehr fremdbestimmt bin.

      Eigentlich will ich aber nur Leben und möchte nicht, dass solche Fragen mein Leben bestimmen.

      Ein weiterer Widerspruch.

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