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Make Islam great again!

In Deutschland leben über vier Millionen friedfertige Muslime, doch das Islambild hierzulande ist geprägt von Terror und Gewalt. Ich habe auf IslamiQ gefordert, dass die Schönheit des Islams mehr in den Vordergrund gerückt werden sollte.

IslamiQ

Meiner nicht-muslimischen Bekannten Samira wurde von ihren Freunden offen gesagt, dass sie sie wegen ihres islamisch klingenden Namens nicht zur Wohnungsbesichtigung einladen würden.
Auch die angehende Lehrerin Yasmine, die vor zwei Jahren angefangen hat Kopftuch zu tragen, erzählt, dass ein im Rahmen der Antidiskriminierungsarbeit aktiver Lehrer ihr empfahl, das Kopftuch wieder abzulegen.
Ein Doktorand an ihrer Uni erklärte ihr daraufhin, sie könne gar kein Opfer von Rassismus werden, weil der Islam keine Rasse sei und Muslime sollten aus ihrer bequemen Opferrolle rauskommen.

In der Praxis sieht es dann aber so aus, dass die fiktive Bewerbung einer Sandra Müller mehr Einladungen bekommt, als eine gleich gut qualifizierte Bewerberin mit türkischem Namen. Dies geht aus einer Studie der Universität Linz aus. Die Unterschiede sind deutlich und nicht durch Zufall zu erklären.

Ich begegne auch oft die Einstellung „Wieso sollen wir den Islam in Deutschland akzeptieren? Der Islam ist doch etwas Schlechtes!“ oder „Im Islam wird die Frau unterdrückt!“ oder „Der Islam ist rückständig!“ – „Warum sollen wir tolerant gegenüber etwas sein, das nicht gut ist?“

Witzig ist, dass sogar Friedrich der Große, der das osmanische Reich als großen Feind sah, 1740 in einem Brief schrieb, dass alle Religionen gleich gut seien, so lange die Angehörigen der Religion ehrliche Leute seien. Und dass er auch Türken und Heiden glauben lassen wolle, was sie glauben, wenn sie in seinem Land leben würden und ehrlich seien.

In Deutschland lebt heute eine Ansammlung von vielen verschiedenen Muslimen verschiedenster Konfessionen, Meinungen und Lebensweisen. Das negative Bild über den Islam kommt aber meistens nicht von den Muslimen von hier. Es hat sich hier in den letzten Jahrzehnten eine deutsch-muslimische Identität gebildet mit deutsch-islamischer Wissenschaft, Literatur, Hochschulgruppen und einer Diskussionskultur der Akzeptanz und Offenheit.

Sichtbarer bleiben aber die Bilder von Terror, Extremismus, Zwang und Unterdrückung, die ihren Ursprung eher in der Praxis islamisch geprägter Länder haben.

Vielleicht ist die Lösung des Ganzen, dass die Muslime in Deutschland hier einfach nur viel, viel mehr professionelle PR-Arbeit leisten müssen. Die sechste Säule des Islams: Reputation!

Ich persönlich bin der Meinung, dass der Islam eigentlich die beste Religion ist, um PR mit ihr zu machen. Viele Vorurteile gegenüber dem Islam sind nämlich schon allein mit dem Koran und Hadithen ganz simpel zu wiederlegen. Der Islam ist im Grunde eine ziemlich offene und moderne Religion, wenn man bedenkt, dass sie vor mehr als 1.000 Jahren entstanden ist. Und hier und jetzt ist der Islam eben das, was wir Muslime hier und jetzt daraus machen.

Ein Vorurteil ist beispielsweise, dass der Islam dogmatisch sei und keine Vielfalt zulasse! Die Antwort darauf findet sich in einem Satz in der Sure 5, Vers 48: „Und wenn Allah wollte, hätte Er euch wahrlich zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber (es ist so,) damit Er euch in dem, was Er euch gegeben hat, prüfe. So wetteifert nach den guten Dingen! Zu Allah wird euer aller Rückkehr sein, und dann wird Er euch kundtun, worüber ihr uneinig zu sein pflegtet.“
Hier steht nicht: „Allah wird fast alle Menschen in die Hölle stecken, weil nur ein kleiner Teil Recht haben kann!“

Es gibt z.B. sogar einen Hadith bei dem ein Mann daran zweifelt, dass seine Frau sein Kind geboren hat, weil das Kind eine dunkle Hautfarbe hat, die Eltern aber beide weiß sind. Da sagt der Prophet, dass er einmal ein Kamelfohlen hatte, das ein anderes Fell hatte als Papa- und Mamakamel. Aber das einige Kamelgenerationen vorher ein Kamel in der Familie war mit ebendiesem Fellmuster. Das nennt sich heute Genforschung.

Make Islam great again!

Klar mag niemand Muslime, wenn man immer nur hört, dass sie einem Mann folgen, der Menschen tötete und minderjährige Frauen heiratete. Was viele nicht wissen ist, dass Mohammed zu seiner Zeit aufklärerisch war und Wert auf die Gleichstellung von Menschen verschiedenster Hautfarben und verschiedenster Geschlechter legte. Und, dass sogar die Leute, die keine Muslime waren und den Islam bekämpften, ihn schätzten, weil sie ihn als ehrlichen Menschen kannten.

Ich könnte noch unzählige Beispiele aufzählen und ihr könnt das sicher auch, warum der Islam echt eine tolle und interessante Religion ist. Und je öfter Muslime mit Erfolgen, positivem Verhalten und einer offenen Ausstrahlung auffallen, desto mehr Menschen werden aufhören ihn in einem negativen Licht zu sehen.

2 Kommentare

  1. Das Thema ist so komplex, dass ich im Grunde hier mindestens einen 20-seitigen Essay schreiben müsste, um ihm gerecht zu werden. Da ich aber auch nicht einfach gar nichts sagen möchte, bleibt nur die Möglichkeit, Schlaglichter zu werfen auf einzelne Aspekte.

    Image des Islam:
    Das Bild des Islam wird darüber definiert, was der einzelne Bewohner Deutschlands persönlich darüber erfährt. Das bedeutet, der freundliche, friedfertige Islam der einfachen Menschen, ob hier in Deutschland oder anderswo, wird überhaupt nicht wahrgenommen, denn er ist leise, unauffällig und privat. Wahrgenommen werden nur diejenigen, die den Islam aggressiv propagieren. Das sind Gruppen wie die Salafisten in Deutschland, der IS im Nahem Osten oder radikale muslimische Bewegungen in Indonesien, die gegen einen christlichen Gouverneur protestieren.
    Ich gebe dir Recht: mehr Öffentlichkeit des „guten“ Islams würde hier gut tun. Eine gute Idee fände ich z.B. wenn christliche und muslimische Gemeinden die jeweils anderen einladen würden, an ihren jeweiligen religiösen Festen teilzuhaben, und mit wohlwollendem Interesse aufeinander zugehen würden. Ich würde dasselbe auch in Hinblick auf atheistische Gemeinschaften vorschlagen, doch leider sind mir da keine Traditionen bekannt, welche dafür geeignet wären (ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren).

    Das Kopftuch:
    Für sich alleine genommen ist die Ablehnung des Kopftuchs eigentlich lächerlich. Grundsätzlich gilt bei uns: jede/jeder darf sich kleiden wie sie/er will. Schwierig wird das Thema nur im historischen Kontext:
    Im letzten Jahrhundert hat (im europäisch-christlich geprägten Raum) eine ganze Generation dafür gekämpft, Einschränkungen in Lebensweise und Kleidungsstil, die aus einem moralisch religiösen Gesellschaftsverständnis erwuchsen, abzuschütteln und sich davon zu befreien. Und nun kommen Menschen und scheinen zu zeigen, dass dieser Kampf völlig umsonst war. Sie wollen gar nicht befreit sein, wollen sich irrationalen Regeln unterwerfen. Das ist verstörend und beängstigend, und man tendiert dazu, sie mit denjenigen in einen Topf zu werfen, die man im letzten Jahrhundert so vehement bekämpft hat.
    Das ist keine Entschuldigung für Diskriminierung, sondern es zeigt die Gemengelage auf, die dem Unbehagen, zumindest des links-liberal denkenden Teils der deutschen Gesellschaft, in Bezug auf Kopftuch tragende Frauen zugrunde liegt.

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    • Friede zuvor! Ja, das Thema ist durchaus sehr komplex. Denn im Grunde genommen geht es beim äußeren Ansehen des Islam wohl immer hintergründig um die ewigen, im Übrigen unbeantwortbaren Menschheitsfragen:

      1. Woher kommt das Universum mit seinen Billionen Galaxien, noch mehr Sternensystemen und noch mehr Planeten? Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Woher kommt die Menschheit? Ist das alles ein physikalischer Zufall oder steckt dahinter ein Plan und eine „Person“ (im weitesten Sinne)?

      2. Wohin geht das Bewusstsein (der Geist, die Seele) des Menschen nach dem Tod? Ist die Seele unsterblich? Muss Rechenschaft über das abgelegt werden, was während des Lebens getan oder unterlassen wurde?

      3. Was ist das Gute, Wahre, Schöne? Was sollen wir tun? Welchen Vorbildern, wenn überhaupt, sollen wir folgen? Mit welchen Dingen sollen wir unser Bewusstsein und unseren Körper ernähren?

      Antworten auf diese Fragen gibt es in den Wissenschaften, der Philosophie und in den Religionen. Sehr grob klassifiziert, könnte man vielleicht sagen: die Antworten der Wissenschaften sind empirisch, die Antworten der Philosophie sind spekulativ, die Antworten der Religionen sind dogmatisch.

      (Wobei es in den Wissenschaften auch spekulative und dogmatische, in der Philosophie auch empirische und dogmatische, und schließlich in den Religionen auch empirische und spekulative Elemente gibt.)

      Am Anfang der Menschheit herrschten die Religionen vor, dann traten die Philosophen auf und hinterfragten die Dogmen, schließlich kamen die Wissenschaftler und stellten die spekulativen Theorien auf einen empirischen Boden.

      Nur sind damit die oben genannten drei Menschheitsfragen höchstens sophistisch beantwortet. Wenn ein „Gott“ a priori hinter den Sternen angesiedelt wird, macht es keinen Sinn, ihn empirisch nachzuweisen. Über das Leben nach dem Tod kann man auch a priori nichts empirisch wissen, sondern das zeigt sich erst. Und was als vorbildlich und gut angesehen wird, ändert sich von Generation zu Generation und von Situation zu Situation.

      An dieser Stelle scheiden sich dann die Geister. Viele Menschen beantworten für sich die drei Menschheitsfragen spekulativ, d.h. durch eigenes Nachdenken, eigene Theorien. Viele Menschen beantworten die drei Menschheitsfragen aber auch gerne dogmatisch, d.h. mit den Sätzen, die ihnen in derjenigen Religion, die sie für sich angenommen haben, angeboten werden.

      Was diejenigen Menschen, die gerne selbst denken, generell an Religion nicht mögen, ist, dass ihnen fertige Rezepte geboten werden. Was diejenigen Menschen, die mit aller Gewalt die drei Menschheitsfragen beantwortet haben möchten, generell an Religionen mögen, ist, dass ihnen fertige Rezepte geboten werden.

      Der Islam ist eine Offenbarungsreligion, d.h. diejenigen, die ihn angenommen haben, halten dafür, dass der Koran von der ersten bis zur letzten Seite von „Gott“ ist. (Damit ist gemeint die „Person“ aus der ersten Menschheitsfrage.)

      Dies ist schon einmal ein erster existenzieller Sprung, den die übrigen Menschen nicht mitmachen mögen bzw. nachvollziehen können. Viele „Islamkritiker“ kritisieren Religion generell, nicht nur den Islam.

      Der zweite Sprung besteht darin, die Worte des Koran nicht metaphorisch oder historisch zu lesen, sondern, wie man sagt, wortwörtlich. Demnach hat „Gott“ während der Sintflut Millionen von Sündern jämmerlich ersaufen lassen, hat Pech und Schwefel auf zwei Städte regnen lassen, weil in ihnen Homosexualität vorkam, sendet Menschen aufgrund gewisser schwerwiegender oder uns überhaupt rätselhafter Vergehen nach dem Tod in ein ewigwährendes Folterlager, genannt Hölle.

      So etwas ist für Menschen, die beispielsweise an einen ewig-kreativen und vergebenden „Gott“ glauben, an Wiedergeburt nach dem Tod oder an gleiche Rechte für Schwule, Lesben usw. in dieser strengen Form so nicht hinnehmbar. (Siehe Christentum, Hinduismus, Buddhismus, Wicca, Satanismus.)

      Der dritte existenzielle Sprung besteht darin, die wortwörtliche und anti-historische Interpretation der Offenbarung in staatliche Gesetze oder halbstaatliche Gemeinschaftsregeln zu gießen, nach denen Kinder und Jugendliche dressiert und endlich auch Nicht-Muslime gemaßregelt werden sollen.

      Dieser letzte Sprung wird von Nicht-Muslimen sehr heftig und entschieden abgelehnt, sofern die Dressur und Maßregelung sie selbst betreffen soll. Zunehmend wird mit dem Hinweis auf universelle Menschenrechte auch abgelehnt, dass gewisse Muslima und Muslime andere Muslima und Muslime nach der wortwörtlichen Interpretation dressieren und maßregeln dürfen.

      Das grundsätzliche Problem besteht also meines Erachtens darin, dass die konservativen und traditionellen muslimischen Menschen so begeistert darüber sind, endlich und für ewig über dogmatische Antworten auf die drei Menschheitsfragen zu verfügen, dass sie den eher skeptisch und empirisch orientierten Teil der Menscheit mit dieser Begeisterung anstecken möchten. Und den ganzen Rattenschwanz an wortwörtlicher Interpretation der Offenbarung gleich mit hinten dranpacken.

      Die Lösung des Problems, dass der Islam so schief angesehen wird, besteht demnach meiner Meinung nach nicht darin, dass man sich bedeutende Muslima und Muslime herauspickt und ordentlich zurechtputzt, sondern darin, dass man die begeisterten konservativen und traditionellen Muslima und Muslime von ihrem hohen Ross herunterholt. Der Islam ist ja nämlich nur eine beliebige, ziemlich einfach gestrickte Religion („Zuckerbrot und Peitsche“) unter sehr vielen anderen Religionen, und wo immer man bestimmte Fragen wissenschaftlich beantworten kann, sollte man sie auch wissenschaftlich beantworten. Wo immer islamische Dogmen den universellen Menschenrechten widersprechen, sollte man die Dogmen verwerfen und klar und deutlich durch die universellen Menschenrechte ersetzen.

      #MakeIslamInvisibleAgain

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