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modereligion

„Viele junge Muslime haben den Eindruck, dass es schwierig ist den Islam in Deutschland zu leben, weil die Mehrheitsgesellschaft das Muslimischsein nicht akzeptiert.“

Buddhismus ist tatsächlich geradezu schick. Überall sitzen hübsche kleine Buddhas rum und gestresste Menschen finden ihre Mitte. Das Judentum ist auch super cool. Allgemein ist es toll, wenn Menschen spirituell sind oder sich für Übersinnliches interessieren.

Traumdeutung, hübsche Ornamente, Mythologie und Geschichten von Brüderlichkeit, Frieden und Glück gibt es auch im Islam. Aber möchte jemand muslimisch sein, wird das oft mit Zwang assoziiert oder mit einem Menschen, der nicht reflektiert, sondern rückwärts gewandt und rückständisch ist. Im schlimmsten Fall sogar radikal.

Terror, Burka, Homophobie geistert in den Köpfen rum. Negative Konnotationen. Dabei ist Islam für mich unverzichtbarer Lifestyle.

Ich glaube schon lange nicht mehr. Ich bin überzeugt.

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Helden gesucht!

Ein paar Intellektuelle setzen sich zusammen und sprechen gemeinsam über den Islam. Vielleicht läd man noch einen Moslem mit einer Sprachbarriere ein, obwohl mehrheitlich muttersprachliche Muslime im Land leben, um die Show vollends ins Lächerliche zu ziehen oder man lässt es bleiben, um in Ruhe hetzen zu können. Das gibt es in der ARD, in Amerika und auch in der Mensa.

Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin
Die meisten Leute haben ja gar nichts Böses im Sinn
Es ist ihr eintöniges Leben, was sie quält
Und der Tag wird interessanter, wenn man Märchen erzählt

Und wahrscheinlich ist ihnen das nicht mal peinlich
Es fehlt ihnen jede Einsicht
Und wieder mal zeigt sich: Sie sind kleinlich
Unvermeidlich fremdenfeindlich

Ein Ohrwurm von den Ärzten kann helfen, Helden auch. Heldenhaftigkeit fängt klein an und kann trainiert werden. Uneigennützig für etwas aufstehen ist nicht leicht, aber heldenhaft.

Irgendwann wird es nicht mehr heldenhaft sein, wenn man ein Problem damit hat, dass Muslime für ihre Religion öffentlich gedemütigt, verurteilt und geächtet werden, selbst wenn man nicht viel über den Islam weiß. Es wird selbstverständlich sein und auf diese Zeit warte ich.

Der weltweit bekannte Schauspieler und Regisseur, Ben Affleck, hat am Tag der deutschen Einheit in der Talkshow „Real Time with Bill Maher“ auf pauschale islamfeindliche Kritik reagiert und Muslime in Schutz genommen. Der Moderator und ein weiterer Gast, Sam Harris, stellten den Islam aggressiv als Feind jeder Zivilisation dar und waren überzeugt, dass eine komplette Ausrottung zum Schutz der eigenen Unversehrtheit nötig ist. Ben hat sicher auch viel schlechtes über den Islam gehört, aber weiß, dass man nicht alles, was sich pauschal anbietet als Sündenbock und Frustventil nutzen muss.

Jeder sollte kritisieren dürfen, was er möchte und seine Meinung frei sagen können. Das bedeutet Zivilisation. Aber das sollte auch auf Augenhöhe passieren können. Vor allem das bedeutet Zivilisation.

Bis unsere Zivilisation erwachsen wird, werden ein paar mehr Helden nötig sein.

Hier geht es zum Video.

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My Private Affair with IS

Ich möchte mich offiziell bei der IS bedanken.

Die Bemühungen islamisches Leben im Westen schwerer zu machen, als ohnehin der Fall ist, sind beispiellos.

Für den ausgefallenen Namen „Islamischer Staat“ muss wohl die Marketingabteilung gelobt werden. Er klingt beinahe so gewagt, als wären die Medien höchstpersönlich Taufpate gewesen. Das stellt die kreativen Namensschöpfungen „Hulk“ oder „Batman“ absolut in den Schatten. Nein, die können einpacken!

Man sagte bisher zwar „Sex Sells“, doch scheinbar erkunden wir hier ganz neue Dimensionen der Marktforschung – „Islam sells more“. Ich sehe es groß in beleuchtetem Schriftzug vor mir strahlen. Hochachtung für all die Aufmerksamkeit, die sie mobilisieren konnten. „IS“ in aller Munde. Das muss unglaubliche Massen an Tourismus anziehen. Über die Staatsfinanzen muss man sich wohl keine Sorgen mehr machen.

Ich bin überhaupt nicht sauer auf die „IS“. Nein, im Gegenteil! Ich werde grün vor Neid!

Es ärgert mich, dass ich nicht so mutig war mich damals zu „Islam“ oder „Scharia“ umzubenennen. Ich meine das sind doch wunderschöne Namen. Man würde sein Kind wohl kaum „Justitia“ oder „Jupiter“ nennen, aber..obwohl doch! Ich glaube..Nein, ich bin sicher, ich werde mein Kind Jupiter nennen. Dann gehört der Planet Jupiter mir. Heißt ja dann auch mein Kind so, oder?

Ich wollte eigentlich nur unbedingt Islam heißen, weil ich die absolut einzige und perfekte Verkörperung des Islams darstelle. Mir wird hier nur leider schon der Kopf abgerissen, dass ich Kopftuch trage. Ich würde damit den Islam repräsentieren und das wäre eine große Verantwortung und Bürde. Man müsse sich bemühen ja nichts falsch zu machen, da das etwas heiliges sei. Ich solle Allahs Strafe fürchten. Da dachte ich, der Islam ist wohl so etwas, wie ein ziemlich stark geschützter Markenname und wer braucht schon eine Patentklage gegen Gott auf dem Schreibtisch. Mir war es dann schon eine Ehre, dass ich überhaupt Muslima sein darf.

Ob der Schöpfer der Welten, Himmel und Erde und so vielleicht doch Spaß versteht, wenn man in seinem Namen ein bisschen Mist baut und es seinen Schützlingen, die versuchen seine Botschaft auszuleben, stiefmütterlich ein Bein stellt? Vielleicht steckt unter den „IS“-Leuten ja einer mit prophetischen Fähigkeiten, der da vorab eine Art außergerichtliche Einigung klar machen konnte, um auf der sicheren Seite zu sein. Denn ich weiß auch nicht, dass wäre doch arg auf Risiko für so einen Pipifax. Was wollen die den eigentlich überhaupt?

Was auch immer sie wollen: Ich will auf jeden Fall meinen Anteil, der mir daran zusteht. Schließlich berührt das hier ganz konkret mein persönliches Leben. Welcher meiner Mitmenschen fragt sich denn schon, was ich mit der „IS“ zu tun haben könnte? Die wissen doch alle, wie super ich finde, dass endlich mal jemand den Mumm hat, ein bisschen die Welt aufzumischen und den Islam, der mir so viel bedeutet, auch so groß rauszubringen. Es gibt ja nicht so schon genug Probleme und ganz ehrlich unsere Freunde hier im Inland kann man nicht wirklich ernst nehmen. Ich frage mich, ob die „IS“ einen extra Ressort eingerichtet hat für Leute, wie mich. Organisiert genug sind sie ja und schließlich lieben sie mich bestimmt auch. Wir sind quasi so etwas wie eine riesengroße Familie. Hach ich freue mich bald in den Medien mehr darüber zu lesen, wann ich Deutschland endlich verlassen kann. Denn wirklich akzeptiert wurde ich hier nie. Der Islam gehöre ja nicht hier her. Und was bin ich? Ja, Muslima. Und zum Glück werde ich endlich auch bald wissen, was ein Zuhause ist. Ein Traum wird wahr!

Mein Kind nenne ich selbstverständlich trotzdem Jupiter. Oder Universum? Wie bald ich eingetragene Eigentümerin des Universums werden kann checke ich später beim beten ganz privat mit Allah ab. So ne kostenlose Beratung ist schon etwas ganz feines!

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Ich hoffe, dass dieser Text absolut ernst genommen wird. Denn was ich gerade am dringendsten brauche ist (*Fanfare bitte..tadadadamdada*) ein Shitstorm. Danke!

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"Wir sind alle Christen des Iraks."

In Solidarität mit den vertriebenen Christen im Irak.

In Solidarität mit den vertriebenen Christen im Irak.

Wie kann es jemandem leicht fallen, meine Glaubensgeschwister, die Muslime, so zu hassen, wie ich es tagtäglich beobachte? Mir fällt es schwer, diesen Hass nachzuvollziehen, denn ich liebe alle meine Menschengeschwister, jeden Christen, jeden Atheisten, jeden Pastafari gleichermaßen.

Allah hat die Menschen alle aus dem gleichen Fleisch und Blut geschaffen. Ich trauere jedem ermordeten Menschen – nicht Moslem, sondern wirklich Menschen – so schwer nach, als hätte jemand die ganze Menschheit getötet.

Jeder Mord an einem Menschen ist der Tod der Menschlichkeit. Jeder Mensch ist mein Angehöriger. Mein Fleisch und Blut.

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Frieden sei mit euch. Oder was ich über den Krieg im Irak weiß.

Im Irak gibt es zur Zeit heftige Kämpfe zwischen Soldaten der irakischen Regierung und Kämpfern der Terrorgruppe ISIS. Die Terrorgruppe hat bereits verschiedene Städte im Irak eingenommen. Besonders im Norden des Landes hat sie schon in vielen Städten Macht. Jetzt wollen die Kämpfer der Terrorgruppe weitere Städte erobern und das macht vielen im Westen Angst.

Die Mitglieder der Terrorgruppe sind nämlich Islamisten und ihre Abkürzung bedeutet: „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“. Das Ziel der Gruppe ist es ein neues Land zu gründen, in dem alle Menschen nach strengen islamischen Regeln leben. Viele Menschen im Westen erinnert das an die Terror-Gruppe Al-Kaida. Sie glauben, dass ISIS auch eine Bedrohung für das friedliche Miteinander bei uns sein könnte.

Der Irak hat eine sehr gespaltene Bevölkerung. Im Nordosten des Iraks leben Kurden, die lange Zeit in vielen östlichen Ländern unterdrückt wurden. Dann teilt sich das Land noch in Sunniten im Westen und Schiiten im Osten des Landes auf.

Unter dem Machthaber Saddam Hussein, der Sunnit war, wurden die Schiiten durch die Regierung stark benachteiligt. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts gab es eine Wende in der Regierung. Jetzt ist Nuri Al-Maliki, der Schiit ist, an der Macht und unterdrückt die Sunniten.

Unter Sunniten gibt es nochmal sehr starke Unterteilungen. Die sunnitischen Terroristen im Irak werden als Islamisten bezeichnet, weil sie den Islam missbrauchen, um ihre politischen Interessen durchzusetzen. Sie wollen der Unterdrückung durch die aktuelle Regierung ein Ende setzen und ein neues Land in dem sich alle nach ihren Regeln orientieren. Viele sunnitischen Iraker unterstützen diese Terrorgruppe, obwohl sie keine Islamisten sind, weil sie auch gegen die Unterdrückung vorgehen wollen. Andere wiederum fliehen aus den Regionen, weil sie Angst vor Gewalt und Krieg, wie in Syrien haben und mit den Auseinandersetzungen nichts zu tun haben wollen.

Die meisten Menschen deren Religion der Islam ist, wollen so wie alle einfach in Frieden leben. Sie haben mit Islamisten also nichts zu tun. Auch unter Shiiten und Kurden gibt es, wie auch in jeder anderen Religion, wie zum Beispiel dem Christentum, Terroristen. Wirklich schwierig ist es eben, wenn sich diese Terroristen, wie jetzt im Irak, konzentrieren und Massen an unbeteiligten Menschen bedrohen.

ISIS konzentriert sich aber erstmal auf das eigene Gebiet und beschäftigt sich, anders als die Al-Kaida, mit „internen“ Problemen. Die Al-Kaida ist eine Terrorgruppen, wiederum die andere Länder bekämpft. Wir brauchen also hier in Deutschland erstmal keine Angst zu haben vor ISIS.

Den unbeteiligten Menschen, die mit dem Krieg nichts zu tun haben wollen zu helfen ist aber von hier aus auch sehr schwer. Dafür müssten wir uns in diesen internen Konflikt einmischen. Die USA möchte zum Beispiel der irakischen Regierung helfen, die sunnitische Terrorgruppe zu bekämpfen. Ich halte das für keine gute Idee. Das Land war schon lange instabil und überall, wo so viel Ungerechtigkeit herrscht, sind Ausschreitungen von Gewalt und sogar Kriege vorprogrammiert. In Syrien und anderen islamischen Ländern gibt es deshalb lange keinen Frieden mehr.

Das wichtigste für mich ist momentan das friedliche Miteinander hier in Deutschland zu schützen. So lange klar ist, dass die Muslime, die hier leben mit Islamisten nichts zu tun haben und wir hier friedlich Leben können ohne, dass es wie in vielen arabischen Ländern unterdrückte Minderheiten gibt, brauchen wir auch keine Angst zu haben vor erheblichen irrationalen Ausschreitungen von Gewalt.

Die meisten Muslime aus dem Westen sind genauso erschüttert über die Lange in ihren ethnischen Herkunftgebieten, wie andere Menschen, die gar keine Muslime sind. Wir haben Angst, dass der Islam immer stärker mit Gewalt und Krieg assoziiert wird und wir hier mit der Verstärkung von Vorurteilen gegen Muslime leben müssen.

Das muss nicht passieren. Alle Abspaltungen des Islams hier im Westen können untereinander und auch mit Nichtmuslimen friedlich und offen umgehen. Wir können gemeinsam diese Umbruchphase positiv überwinden.

Ich hoffe, dass auch die Menschen in islamischen Regionen irgendwann im Frieden miteinander leben können, egal ob und wie sie muslimisch sind oder nicht.

Man sagt zwar, Reden sei Silber und Schweigen Gold. Aber ich ziehe in diesem Fall euer Silber allem vor.

 

As-Salam Alleikum. Frieden sei mit euch.

Merve

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Sinn & Sein

Eine klassische Frage: Warum gibt es uns? Und der Islam hat darauf keine weniger phrasische Antwort, als andere Religionen: Damit wir Allahs Wohlgefallen gewinnen.

"Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen." (Surah Az-Zariyyat, Vers 56)

Wozu brauchen wir sein Wohlgefallen überhaupt? Können wir nicht ohne einen Gott leben? Und warum braucht ein Gott unsere Bemühungen um ihn? Kann er nicht ohne uns Menschen sein?

Da muss mehr dahinter stecken! Wir nehmen also an, dass es ein göttliches Wesen geben muss und da der Mensch nicht den größten Akt seiner Schöpfung darstellt, sollten wir uns zunächst eine allgemeinere Frage stellen: Warum erschafft ein Gott Dinge? Für uns?

"Wahrlich, die Schöpfung der Himmel und der Erde ist größer als die Schöpfung der Menschen; allein die meisten Menschen wissen es nicht." [Sura Ghafir, Vers 57]

Wie kann man sich diesen Gott vorstellen, der das alles hier gemacht haben soll? Allah beschreibt sich den Menschen im Koran anhand seiner Attribute, von denen er unzählige hat und den Menschen nur 99 offenbart. Diese sind bekannt, als die 99 Namen Allahs. Einer davon ist Al-Malik, der König oder Al-Aziz, der Erhabene oder aber auch Al-Rahim, der Barmherzige und Al-Gafur, also der Vergebende.

99 Namen und wichtig sind für unsere Frage Al-Bari und Al-Haliq – Er ist der Schaffende und der Schöpfer. Er erschafft Dinge, das ist sein Wesen. Es macht ihn aus. Zwar nicht nur, denn ein Maler kann auch ein Vater, gleichzeitig ein Anwalt oder sogar ein Gläubiger sein. Aber ein Maler malt und ein Gott erschafft Dinge. Das ist eines der Dinge, die wir über ihn wissen.

Die Perfektion eines Malers findet sich wiederum in seinen Werken. Seine Qualität und seine Fähigkeit zu malen wird in seinen Gemälden offenkundig. Allah schafft nicht aus Notwendigkeit, aber seine Schöpfung ist seine Offenbarung. Wer weiß, was er sonst alles schafft. Meine Vorstellungskraft geht weit und seine Schaffen wohl weiter als das, wenn man bedenkt, dass er auch der Schöpfer meiner Vorstellungskraft ist.

Wir und alles im Universum sind genauso einzigartig, wie alles Kunst in der Welt, kreative Energie könnte man fast sagen.

Der Mensch oder Maler als Schöpfer besitzt auch kreative Energie und kann diese umsetzen. Menschen schaffen aber nicht wirklich, sie manipulieren, verändern, machen, bändigen, leiten, forschen, entwickeln, bewegen nur, was bereits existiert. Nur Allah kann aus dem nichts etwas hervorbringen. Licht, Gedanken und Gefühle, Stein, Bewegung, das Universum – den Menschen – alles aus dem Nichts geschaffen.

Nun hat er jeder Seele ein Bewusstsein für Schlechtigkeit und Rechtschaffenheit eingegeben und wenn wir unser Leben danach ausrichten, leben wir gottergeben. Aber keiner von uns, der gut ist, macht das Gesamtwerk besser und keiner, der schlecht ist, macht die Schöpfung zu etwas schlechtem. Muhammad (s) sagte: „Bei Dem, in Dessen Händen meine Seele ist, wenn ihr nicht sündigen würdet, so würde Allah euch durch ein anderes Volk ersetzen, das sündigt und Allah um Vergebung bittet, und Allah wird ihm vergeben.“ (Zitiert aus Muslim).

Wir brauchen also keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Menschen fehlen und selbst das Schlechte ein Teil des Werkes. Sogar wenn wir leiden und Allah, um Erlösung bitten, lebt er darin sein Wesen aus: Er hört uns, denn er ist auch As-Sami, der Zuhörer und welche Auswirkungen das hat, kann keiner wissen. Aber wir leben mit ihm und durch ihn.

Was ist aber nun der Sinn unseres mal qualvollen, mal glücklichem Schicksals? Auch, wenn allein die Vorstellung, einfach ein kleiner Teil von etwas großem, schönen zu sein, ausreichen könnte, ist es das nicht. Denn man kann, die Schöpfung eines Gottes, nicht mit einem Gemälde vergleichen, dass man sich ins Wohnzimmer hängt.

Ich bin nicht Gott und ehrlich gesagt habe ich keine genaue Antwort. Immerhin haben wir alle ein Gewissen und eine Seele und vielleicht ist unser Leben ein Prozess, eine Metamorphose und wir können jetzt miterschaffen, ob aus uns Kröten oder Schmetterlinge werden. Ich weiß, es wirklich nicht. Das ist das Spiel aus Himmel und Hölle, das jeder von uns kennt. Doch so einfach kann das nicht sein. Ich weiß nicht, was nach dem Tod uns passiert. Was aus Raum und Zeit wird. Aber die Hoffnung auf etwas, das mehr ist, als das was jetzt und hier ist, ist meiner Meinung nach absolut logisch. 

Letztendlich existiere ich und weiß, dass kein Gott einen Menschen braucht. Menschen glauben vielleicht, sie brauchen keinen Gott und vergessen ihn gerne. Doch egal, wie man sich entscheidet, was man tut und wie man lebt, man liegt in seinen Händen und bei ihm liegt die Entscheidung.

"Allah ist der Schöpfer aller Dinge, und Er ist der Erhalter aller Dinge." [Sura 39, Vers 62]

So sehe ich das mit dem Sinn meines Lebens.

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Ohne Regeln

Es gibt 100 Mio Blogs in Deutschland und die wenigsten von ihnen werden professionelle sein. Die meisten Menschen schreiben wahrscheinlich für sich selber. So habe ich hier im Herbst 2013 auch angefangen. Nach einer krankheitsbedingten Absitzzeit in einer süddeutschen Klinik kam das Schreiben und damit auch das gelesen werden. Letzteres ist wirklich nicht selbstverständlich, zumal ich wirklich keine Ahnung habe, was ich hier mache.

Ich habe heute zum ersten Mal verstanden, wie man Widgets einrichtet, oder besser gesagt, was das überhaupt ist. Davor war es automatisch da und sah etwas unaufgeräumt aus. Meine Brust wallt sich vor Stolz!

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Schick ne?

Bloggen kann jeder, will ich damit sagen. Es gibt keine „political correctness“-Regeln, keine Form- und Fristvorschriften und weder Pflicht, noch Zwang. Das Netz ist Grenzen- und Barrierefrei in jeder Hinsicht. Die Freiheit, die man hier schnuppert, macht deutlich, wie viel Kreativität und Potential allein durch Bürokratie real gehemmt wird. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass uns diese Freiheit nicht durch noch mehr Regeln und Patentrechte weggenommen wird, indem das Internet immer weiter kommerzialisiert wird. Es ist so schade, dass man die Piraten nicht mehr wählen kann.

Meine Mutter würde sich jetzt sowieso darüber aufregen, wie mich nur kreative Entfaltung beschäftigen kann, während in Syrien meine Glaubensgeschwister Leid und Not erdulden müssen.

Ich fühle mit diesen Menschen, sie sind in meine Gebete und soweit es geht in meine Handlungen eingeschlossen. Genau so, wie Notleidende in Afrika, Indien, China, Teilen der Türkei, ja auch hier in Deutschland und überall in der Welt, wo meinen Mitmenschen von ihrem Schicksal schwere Bürden auferlegt werden. Ich wünsche ihnen die Kraft, die sie brauchen, um das durchzustehen, von ganzem Herzen!

Das Internet zu verteufeln ist aber keine Lösung und rettet auch keine Leben. Das Internet ist gerade für den Islam von unüberschaubarer Bedeutung. Ich finde hier ein sehr buntes und gut durchmischtes Glaubensangebot, islamischen Austausch, Fatwa- und Suchdienste, Onlinebibliotheken, YouTube-Predikten, Hijab-Tutorials, Diskussionsforen und Webshops für islamische Artikel, wie Kopftücher, Gebetsteppiche und dergleichen, für deren Einkauf ich sonst einmal im Jahr in die Türkei reisen müsste, weil ich nicht in Mannheim, Köln oder Berlin wohne.

Der Islam hat in Deutschland keine richtige Infrastruktur. Neben der Tatsache, dass Muslime in Primär- und Sekundärmedien noch stark unter- oder fehlrepräsentiert sind, gibt es einfach auch nicht genug Moscheen hier. Das ist überhaupt kein Vorwurf an Deutschland, nur ein Argument für das Internet, das kein Ersatz für Muslime ist, aber eine wichtige Ergänzung.

Außerdem verändert das Netz die Muslime. Es macht sie offener und zugänglicher. Trotz mancher Stolpersteine, habe ich nie die Motivation verlaufen hier als Muslims zu schreiben. Meine Absicht war es nie Promotion für meine Religion zu machen, aber wenn ich lese, was mir geschrieben wird und sehe, wie viele Menschen, das primitive Geschmiere einer fast 20jährigen hier lesen, dann bin ich glücklich darüber, diese Türe geöffnet zu haben.

Ich hätte mir nie ausgemalt, welche Ausmaße das alles annehmen würde. Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mich lesen, die hinterfragen, die mich mit anderen Menschen teilen und unterstützen. Danke, ehrlich! Es ist unglaublich, dass ihr da seid. Mir gibt das so viel Motivation..

Die besten Grüße,

Mervy

PS: Nächstes Mal kommt etwas über Syrien, versprochen! 😉

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#YesAllWomen

Mervy Kay ist kein Mädchenblog. Ich bin ein Mädchen und das ist ein Blog. Kein Reiseblog. Kein Rezepteblog. Kein Einhorn- & Seepferdchenblog. Es ist einfach nur mein Blog. Und er ist auch für Männer.

Übrigens: Männer sind Menschen. Das nur zur Klarstellung, wenn ich lese, was das Emma Magazin über die Herren der Schöpfung schreibt und welchen Erfolg der Neo-Feminismus mit Hashtags, wie #killallmen, #mackergohome, #maletears und jetzt #yesallwomen hat. Ich war schon bei der #Aufschrei-Bewegung oft empört über die Statements mancher Frauen, was mir nur den Vorwurf eingebrachte, ich sei ein Maskulinisten-Pinup. Eine nennenswerte Gegenbewegung gab es nie. Woher kommen denn diese Männernazis? Und muss ich auch einer sein, weil ich eine Frau bin?

„Merve, du bist so naiv! Du hast keine Ahnung, glaub mir! Es ist anders, als du dir vorstellst: Männer sind keine faszinierenden Wesen auf weisen Pferden.“

Trotz dem (zugegebenermaßen) hohen Stellenwert der Geschlechtertrennung im islamischen Kulturkreis, bin ich nicht mit Wahrnehmungsstörungen bezüglich des anderen Geschlechts auf die Welt gekommen. Ich sitze in der Moschee nicht in einer männerfreien Zone, weil ich Männer hasse. Ich trage kein Kopftuch, weil ich Angst davor habe von jedem Mann vergewaltigt zu werden. Mein Lebensinhalt besteht nicht darin, einen Mann zu heiraten, um ihn zu vergöttern. Und ich verliebe mich auch nicht unsterblich in jeden Mann, der mir nach dem Niesen Gesundheit wünscht, weil ich noch nie von einem Mann beachtet wurde.

Ich versuche es mal anders: Warum ist eine männerfeindliche Einstellung derzeit im Trend? Und sind Frauen, die das nicht mitmachen wollen, unterwürfige Geschöpfe, die vom Patriarchat manipuliert wurden?

Männer seien die neuen Schwarzen. Oder Juden. Oder Muslime. Je nach dem, welcher Minderheit man mehr zugetan sei, berichtet die Frauenzeitschrift Brigitte. Das ist eigentlich eine Herabsetzung echter Diskriminierung. Männer werden im Grunde gar nicht diskriminiert und sie sind auch keine Minderheit. Wir reden hier von der Hälfte der Menschheit, aber eine halbe Menschheit, die ein seit Jahrtausenden schlummerndes Feindbild verkörpert.

Nicht ganz. Die braven Männer sind nicht böse und uns Frauen wird ans Herz gelegt, so einen Mann zu finden, der zu allem bereit ist, also auch dazu, zu bügeln, zu kochen und Karnevalskostüme zu basteln. Mit Herz und Seele stimme ich zu. Männer müssen aber nicht die neuen Frauen werden. Ich glaube nicht, dass Männer bessere Frauen sind als Frauen. Dafür müssten sie sich erst an einen Mount Everest an Erwartungen und das Minus an Anerkennung gewöhnen und ich bitte euch: Das stemmen nur wir!

Frauen und Männer sind nicht gleich und diese Ungleichheit ist viel zu negativ belegt.

Im Koran steht, Männer und Frauen würden sich ergänzen und sie sollen gütig zueinander sein. Genau das sollte die Gesellschaft, also die Medien, wie auch die Konsumenten, fördern, anstatt immer gegeneinander anzustacheln. Und einige Muslime sollten öfter in den Koran schauen und mit besserem Beispiel vorangehen.

Jede diskriminierte Minderheit hat irgendwann eine Zeit in der sie gehypet wird, bevor sie dann letztendlich von der Gesellschaft den Accepted-Stempel bekommt. Das haben Schwarze schon lange hinter sich. Es ist nichts besonderes mehr schwarz zu sein und auch nichts schlimmes. Schwule machen das gerade durch. Bei Muslimen könnte es noch dauern, aber ein „richtiger“ Mann zu sein dürfte eher wieder gefragt sein, als man denkt. Denn Geschlechterrollen sind zwar veränderbar und das passiert momentan auch, was gut ist, aber fast alle Männer sind trotzdem ziemlich einfach gestrickt, meistens nicht bösartig, nicht zickig und auch nicht nachtragend und genau das lieben wir doch an ihnen. Ich jedenfalls schon und deshalb sage ich: Yes, all women do love men!

Jetzt ist das doch wieder so ein Mädchenblogessay geworden. Ich bin eben ein Mädchen und das ist ein Blog.

Haltet die Ohren steif,

Mervy Kay

Hyperbole ist ein Forschungsprojekt das viele wahrscheinlich von der DISSLIKE-Videoreihe kennen, in der Prominente, Journalisten und Politiker die Kommentare ihrer Hater vorlesen.
Die neue Reihe FRAG EIN KLISCHEE beschäftigt sich mit unseren Vorurteilen gegenüber Menschen, von denen wir eigentlich nichts Genaues wissen, über die es aber viel Gerede gibt. Vorurteile sind was Feines. Sie strukturieren unsere Welt in kleine, wohlgeordnete Schubladen, damit man nicht so viel nachdenken muss. Dumm nur, wenn man Menschen begegnet, die überhaupt nicht ihrem Klischee entsprechen. Die widersprüchlicher, interessanter und komplexer sind, als es unser vorgefertigtes Bild von ihnen erlaubt.
Vor der Kamera werden sie direkt mit den unbequemen Fragen konfrontiert, die man sich normalerweise nicht laut zu stellen traut. Die Interviewten antworten persönlich und ehrlich.

Wenn ihr auch Fragen im Kopf habt, die ihr schon immer mal einem Pädophilen, einer Muslima oder einer Domina stellen wolltet, dann macht's doch einfach und postet Eure Fragen auf Facebook, Twitter oder Youtube.